Die Entstehung von Linus
Shownotes
In der ersten Folge von Meine letzte Frage – Der Podcast für ein selbstbestimmtes Sterben sprechen Dustin Schubert und Julia Buttel über die Entstehung von Linus Sterbehilfe. Warum wurde Linus gegründet? Welche Lücke besteht in Deutschland bei der Begleitung sterbewilliger Menschen – und was hat sich seit dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts 2020 wirklich verändert? Die beiden erzählen offen, ehrlich und ohne Pathos, wie Linus entstanden ist, was sie persönlich antreibt und wie ihre Organisation Menschen auf dem Weg zu einem freien, würdevollen Lebensende begleitet. Themen der Folge: – Die Gründungsgeschichte von Linus Sterbehilfe – Warum Sterbehilfe in Deutschland lange tabuisiert war – Selbstbestimmung am Lebensende – Der Unterschied zwischen Palliativversorgung und Freitodbegleitung Mehr Informationen: linus-sterbehilfe.de
Transkript anzeigen
00:00:03: Das ist meine letzte Frage.
00:00:15: Herzlich willkommen bei unserem Podcast über Sterbehilfe in Deutschland.
00:00:18: Mein Name ist Julia und zusammen mit Dustin nehmen wir euch mit auf die Reise von der Gründung einer Sterbehilfeorganisation bis hin zur Bekleidung von Patienten, die einen ärztlich assistierten Suizid in Anspruch nehmen.
00:00:30: Schön, dass ihr mit dabei seid.
00:00:32: Dustin, willst du vielleicht mal erzählen, warum wir den Podcast überhaupt gestartet haben?
00:00:36: Erst mal herzlich willkommen auch von meiner Seite.
00:00:39: Wir haben es jetzt in drei Jahren nach Gründung von Linus, ich überlege gerade, endlich geschafft.
00:00:48: einen Podcast auf die Beine zu stellen, der es unseren Zuhörern und Zuhörerinnen ermöglichen soll, einfach mal hinter die Kulissen zu schauen mit uns.
00:00:58: Geplant war das Ganze schon sehr, sehr lange.
00:01:01: Aber man muss dazu sagen, fairerweise, wir hatten sehr viel zu tun und sind dann auch über viele Monate und Jahre hinweg nicht dazu gekommen, bis wir uns dann mal vor ein paar Monaten ein Herz gefasst haben und gesagt haben, jetzt oder nie.
00:01:15: Und jetzt sitzen wir mitten im Herzen von Stuttgart im Tonstudio und wollen heute in unserer Pilotfolge einfach mal so ein bisschen was über die Entstehung erzählen.
00:01:27: Wie sind wir überhaupt in die Szene gerutscht?
00:01:31: Wie sind wir in die Sterbehilfebranche hinein gewachsen?
00:01:36: Wie kam es dazu?
00:01:37: Und wie sieht unser Alltag so ein bisschen aus?
00:01:41: Und uns gibt es jetzt seit Dezember zwanzig, dreiundzwanzig, glaube ich.
00:01:47: Und was uns im Alltag ganz oft begegnet, sind viele Menschen, die gerne Sterbehilfe in Anspruch nehmen möchten.
00:01:53: Uns begegnen ja auch viele Menschen, die Sterbehilfe strikt ablehnen.
00:01:56: Uns begegnen Menschen, die irgendwo dazwischen stehen.
00:02:00: Aber was alle drei Gruppen vereint, ist immer so ein bisschen die Tatsache, dass da viel Halbwissen unterwegs ist.
00:02:09: Und oftmals so ein bisschen auch der Bezug fehlt zu dem Thema.
00:02:13: Viele haben ihre Informationen dann aus dem Internet.
00:02:15: Da wird dann immer sehr viel geschrieben, sowohl von Befürwortern als auch von Kritikern.
00:02:20: Aber so richtig fundierte Informationen haben die Menschen selten.
00:02:23: Und das war ja letzten Endes Ziel des Podcasts, dass wir gesagt haben, wir wollen irgendwie jetzt über die nächsten Monate und vielleicht sogar Jahre einfach aus unserem Arbeitsalltag berichten.
00:02:35: um dann eben sicherzustellen, dass Menschen auch vernünftig informiert sind.
00:02:39: Damit sind wir ja sozusagen jetzt hier und jetzt angekommen.
00:02:42: Aber wenn man überlegt zurück am Anfang, wir hatten ja auch nicht mal halbwissen, es war ja gar kein Wissen.
00:02:48: Wir sind ja so reingerutscht in das Thema Sterbehilfe.
00:02:50: Also weißt du noch, wie es bei dir angefangen hatte überhaupt mit der Sterbehilfe, dass du sagst, okay, das war ein Thema, weil ich sage mal klar, auch in der Schweiz, man wusste sowas gibt es in den Niederlanden, aber das ist ja ein Thema, das war ja ganz weit weg von uns.
00:03:02: Also, für die, die uns noch nicht kennen, es ist so, Julia und ich, wir haben bis vor drei Jahren noch in einem Bestattungsinstitut gearbeitet.
00:03:10: Ich als Geschäftsführer, sie als Prokuristin.
00:03:13: Und ich werde nie vergessen, wie ich am sechsohnzwanzigsten Februar, zwei Tausendzwanzig, das war ja das Datum, an dem das Bundesverfassungsgericht den ärztlich begleiteten Suizid für straffrei erklärt hat.
00:03:29: wie ich dort im Bestattungsfahrzeug saß, irgendwo zwischen den eingeschneiten Dörfern im Schwarzwald und das Ganze eben über das Radio zur Kenntnissen haben.
00:03:41: Und mir damals natürlich noch überhaupt nicht wissend, dass ich irgendwann auch Teil der Sterbehilfe-Bewegung in Deutschland sein werde, dachte Mensch, das ist doch eine tolle Sache, wenn Menschen, die eben ihr Leben schwerstkrank selbstbestimmt beenden möchten, die Möglichkeit haben, ihren Leidensweg zu verkürzen.
00:04:02: Wie gesagt, damals kannte ich die Dimensionen und die Ausmaße auch noch nicht, die das Ganze haben würde, aber ich nahm das Ganze eben entsprechend.
00:04:11: Erst mal wohlwollend zur Kenntnis, das war so meine erste Reaktion damals im Hinblick auf Sterbehilfe wie das bei dir, erinnerst du dich noch?
00:04:19: Also
00:04:19: tatsächlich, an das Urteil direkt nicht.
00:04:21: Also man hat ja immer so ein bisschen was mitbekommen.
00:04:24: Wie gesagt, das war jetzt kein Thema, was für mich alltäglich war.
00:04:26: Klar, durchs Bestattungshaus kamen so was dann auch schon mal ein bisschen in Sprache, in den darauffolgenden Monaten und Jahren, muss man ja schon fast sagen.
00:04:34: Aber so direkt im Februar, im Jahr zwanzig, hatten wir, glaube ich, alle andere Probleme.
00:04:39: Und deswegen, also das ging eigentlich erst mal voll an mir vorbei, das Thema.
00:04:43: Also ich wusste am sechsenzwanzigsten Februar, zwei zwanzig, auch wie gesagt noch nicht, dass ich mal Teil der größten oder einer der größten Sterbehilfeorganisationen Deutschland sein würde.
00:04:54: Aber dann überschlugen sich die Ereignisse sozusagen in Richtung Sterbehilfe.
00:04:59: Ich erinnere mich noch sehr genau daran, dass ja im Herbst Frühwinter des Jahres zwei zwanzig mein Vater bei mir anrief und sagte eben, dass er gerne mal ins Krankenhaus zur Untersuchung fahren wolle, weil er eben starke Rücken und starke Bauchschmerzen hatte.
00:05:19: Er klagte darüber, dass er nachts nicht schlafen könne, über Rapingewichtsverlust, über Kraft und Energieverlust.
00:05:25: Und dann hatte ich ihn damals eben ins Krankenhaus gefahren, in der Nähe von Stuttgart war das.
00:05:32: Und dort stellte man dann nach mehreren Untersuchungen, MRT, CT etc.
00:05:38: stellte man dann eben.
00:05:40: Bauchspeicheldrüsen krebs bei ihm fest.
00:05:44: Und das das dann sozusagen der Anfang vom Ende?
00:05:48: Ja, aber war es bei deinem Vater nicht auch so, wie bei ganz vielen erst mal Falschdiagnosen, Magenschleimhautentzündung, das doch erst mal von Untersuchung zu Untersuchung.
00:05:55: Man wusste doch gar nicht, was er hat.
00:05:56: Ja, tatsächlich war es so, dass die Ärzte zunächst davon ausgingen, dass er eine Bauchspeicheldrüsenentzündung hat.
00:06:03: Das war in einem Krankenhaus, das war Mitte Oktober, zw.
00:06:07: Und Ende im Jahr und zwei Wochen später und fünfzehn Kilo weniger auf seinen Rippen, habe ich ihn dann in ein anderes Krankenhaus gebracht, weil ich gesagt habe, das kann keine Bauchspeicheldrösenentzündung sein, da muss irgendwie mehr dahinter stecken.
00:06:23: Also fuhren wir in ein anderes Krankenhaus und da hatten wir dann nach drei oder vier Stunden Untersuchungszeit, glaube ich, die Diagnose Bauchspeicheldrösenkrebs.
00:06:32: Und damit begann dann im Wesentlichen so der Weg oder ja begann so ein bisschen die Ebenung des Weges zur Sterbehilfe.
00:06:41: Das selber war aber noch gar nicht der Auslöser.
00:06:43: Wir bekamen nämlich damals einen Anruf von einer Dame.
00:06:48: Du erinnerst dich.
00:06:49: Ja,
00:06:49: ich erinnere mich.
00:06:50: Ich glaube, ich weiß, auf was du hier raus willst.
00:06:52: Wir waren damals in unserer Eigenschaft als Mitarbeiter in diesem Bestattungsinstitut ja mit ganz vielen Schicksalen und Fällen konfrontiert, die man so in der Gesellschaft und in den Familien vorfindet.
00:07:05: Aber wir hatten tatsächlich damals ... Wissend, dass Sterbehilfe in Deutschland eben durch einen Ärzte begleitet legal ist und wissend, dass es sicherlich auch Menschen gibt, die das in Anspruch nehmen wollten, hatten wir damals einen Anruf erhalten von einer Dame, die für ihre Schwägerin, ich glaube die Dame war neunzig, einen Platz zum Sterbensuchte.
00:07:31: Erinnerst du dich, als die Dame noch bei uns anrief?
00:07:33: Ich erinnere mich eher, als ich ins Büro kam und du irgendwie ein bisschen verwirrt aussaßt und ich dich erst mal gefragt habe, was ist denn los?
00:07:40: Als ich habe mitbekommen, dass du telefoniert hattest, aber ich war im Gespräch, ich weiß nicht, in einem Termin oder so, kam wieder und warst irgendwie so ein bisschen, du hast versucht, mir zu erklären, was das gerade für ein Telefonat war.
00:07:51: Im Endeffekt hast du mir erzählt, dass eben diese Dame angerufen hat für ihre Angehörige und die schwer krank ist.
00:07:58: gerne eine Sterbehilfe, einen Anspruch nehmen möchte, über eine Sterbehilfe vereinen und keine Räumlichkeiten findet.
00:08:04: Das war so strange und creepy zugleich.
00:08:07: Julia und ich haben in einem Bestattungsinstitut nördlich des Schwarzwaldes gearbeitet.
00:08:12: So far so good.
00:08:13: Dort erhielten wir einen Anruf von einer älteren Dame, die wiederum ihre Schwägerin, die in einem Seniorenzentrum lebte, anmelden wollte für einen vorbereiteten Suizid.
00:08:25: Jetzt hatten wir zu dem Zeitpunkt ja aber noch überhaupt keine Berührungspunkte mit solchen Themen.
00:08:30: Also natürlich hast du als Bestatter mit dem Tod zu tun und mit dem Thema Trauer, mit dem Thema Verlust, mit dem Thema Abschied und alles, was da eben so an Gedöns noch dazugehört.
00:08:39: Aber... Dass sich jemand anmeldet, um in deinen Räumlichkeiten zu sterben, ist auch für dich als Bestatter ja erst mal völliges Neuland.
00:08:48: Also ich in meiner Eigenschaft als unbedarfter Bestatter völlig perplex am Schreibtisch gesessen.
00:08:56: Julia kam gerade von draußen rein.
00:08:58: Die war auf dem Friedhof zuvor auf Trauerfeier.
00:09:00: Ich werde das auch nie vergessen.
00:09:02: Und dann sage ich zu Julia.
00:09:03: Julia hat gerade eine Dame angerufen, die möchte, dass ihre Schwägerin bei uns im Abschiedsraum stirbt.
00:09:08: Und daraufhin sagte Julia, was hast du gesagt, oh?
00:09:11: Ja, meine Antwort erst mal, oh.
00:09:14: Also
00:09:15: was sagt man dazu?
00:09:15: Also sagt man, ja klar, lass machen.
00:09:18: Ich meine, im Endeffekt... Als Bestatter ist es gewohnt, dass die Vorstorbenen zu einkommen, aber nicht, dass jemand in den Räumlichkeiten stirbt.
00:09:24: Die Frage ist ja auch, wir wussten nicht, was kommt auf uns zu, kriegen das vielleicht Nachbarn mit?
00:09:28: Wenn das stattfinden würde, wird vielleicht geredet.
00:09:31: Also, das muss man ja alles mit bedenken.
00:09:33: Das ist ja eine neue Situation auch für uns gewesen.
00:09:36: Und also, es war jetzt nicht, dass man sagen konnte, innerhalb von zwei Minuten macht man oder macht man nicht, sondern ich glaube, wir saßen stundenlang zusammen und haben uns auch Sachen aufgeschrieben, pro Kontra überlegt.
00:09:46: Also, es war ja keine einfache Entscheidung.
00:09:47: Aber wie war denn?
00:09:48: die Entscheidung letzten Endes.
00:09:49: Also mein persönlicher Gedankengang war der.
00:09:52: Ich rief damals meinen Vater an, der ja schon schwer krank war zu dem Zeitpunkt.
00:09:57: Und dann habe ich ihm das abends erzählt und habe gesagt, du, heute hat eine ältere Dame bei uns angerufen und die möchte, dass ihre Schwägerin bei uns stirbt.
00:10:04: Kann man denn so was glauben?
00:10:06: Das war so wortgemäß meine Aussage.
00:10:10: Er sagte dann, das finde ich ist eine tolle Sache, weil, wenn das Pflegeheim, in dem die Dame wohnhaft war, das Ganze verweigert.
00:10:17: Und wir wissen ja auch jetzt drei Jahre später, dass eben viele Pflegeheime aus Unwissenheit oder aus Mangel an Information oder aus falscher Indoktrinierung solche Freitodbegleitungen ablehnen in ihren Häusern.
00:10:29: Das sind die Informationen, die wir damals noch nicht hatten.
00:10:32: So sagte mein Vater, ist das doch eine tolle Sache, wenn man jemandem, der sterben möchte, einen Unterschlupf bietet.
00:10:38: Und ich war dann zwiegespalten.
00:10:40: Zum einen war ich ja Geschäftsführer einer bestattungsgesellschaft, einer sehr etablierten Bestattungsgesellschaft dort in der Region.
00:10:46: Und zum anderen bist du ja aber Mensch.
00:10:49: Und der Bestattungsunternehmer in mir hat gesagt, auf gar keinen Fall.
00:10:53: Wenn das draußen jemanden Spitz bekommt von der Bevölkerung, dass da bei dir Leute einschlafen, dann, also ich weiß nicht, im Schwabenland sagt man, es hat ein Geschmäckler.
00:11:03: Und es hat dann eigentlich ein ziemlich großes Geschmäckler.
00:11:05: Ein über, sagen wir, Wochen und Monate andauendes Geschmäckle.
00:11:08: Und das kann ich nicht verantworten.
00:11:10: Die menschliche Seite von mir hat dann aber so ein bisschen in Richtung Vater tendiert, der dann gesagt hat, jetzt stell dir mal vor, Junior, ich hätte keinen Platz zum Sterben mit meinem Bauchspeichelt Rüsenkrebs, den er zu dem Zeitpunkt ja dann schon hatte.
00:11:26: und müsste irgendwo betteln gehen, um sterben zu dürfen.
00:11:29: Und das hast du mir dann auch am nächsten Tag so erzählt.
00:11:31: Also am nächsten Tag weiß ich auch noch, wie du gemeint hast, dass du mit ihm telefoniert hast und selbst überlegt hast, weil du würdest auch alle Hebel in Bewegung setzen, um Räumlichkeiten zu finden.
00:11:40: Man muss ja auch dazu sagen, die beiden Damen haben ja in Hotels angefragt, Ferienwohnungen, die sind ja offen und ehrlich mit dem Thema auch umgegangen bei ihren Anfragen und alle haben sie abgelehnt.
00:11:49: Und im Endeffekt ... Es ist eine Räumlichkeit.
00:11:52: Und wie gesagt, für deinem Papa hättest du es auch gemacht.
00:11:54: Du hättest wahrscheinlich eine Wohnung gebaut im Notfall, wenn du nichts gefunden hättest.
00:11:58: Der Punkt ist ja, wenn jemand in Not ist, dann hilft man den Menschen.
00:12:01: Punkt.
00:12:02: Also, da gibt es gar keine zwei Meinungen.
00:12:04: Und auch für mich nicht.
00:12:04: Und das ist völlig egal, ob der Mensch was zu essen braucht, ob er eine Unterkunft braucht oder in dem Fall ein Ort braucht, wo er sterben kann.
00:12:11: Für mich war die Tatsache als Bestattungsunternehmer, dass jemand bei uns im Bestattungshaus einschlafen möchte, völlig Obstruß.
00:12:18: Also, völlig ... außer Frage.
00:12:22: Aber der Mensch in mir hat einfach gesagt, es geht um eine ältere Frau, die darf im Pflegeheim nicht einschlafen, die Schwägerin ist verzweifelt, weil sie sich um die Dame kümmert, sie trägt Verantwortung für sie.
00:12:32: und mein Gedanke war dann und ich habe mir das tatsächlich nicht leicht gemacht.
00:12:36: Wir haben dann entschieden, dass wir das zulassen unter Auflagen.
00:12:41: Wir haben uns quasi selber ethische Rahmenbedingungen gesetzt.
00:12:44: Es gab zwei Bedingungen dafür, dass sie bei uns einschlafen durfte im Bestattungsinstitut.
00:12:50: Bedingung eins war, dass wir die Bestattung nicht übernehmen.
00:12:53: Das heißt, sie darf zwar unser Bestattungshaus nehmen als Ort, an dem sie einschlafen darf.
00:13:00: Sie darf von uns aber nicht bestattet werden.
00:13:03: Ja, weil es sollte ja noch unabhängig voneinander sein.
00:13:05: Es sollte unabhängig sein.
00:13:06: Und Bedingung Nummer zwei war, dass sie bei uns keine Raummiete oder ähnliches zahlt, weil damals die Schweizer Sterbehilfeorganisation, bei der die Dame da eben war, uns gesagt hatte, dass es üblich sei, dass man eben eine Raummiete verlangen könne.
00:13:21: Und da habe ich gesagt, das geht gar nicht.
00:13:23: Es ist ja auch nicht, was ist denn angemessen.
00:13:24: Also das ist ja auch die Frage, was wäre überhaupt angemessen, ethisch, moralisch.
00:13:28: Also das war ja auch, also die Entscheidung, dass du keine Raummiete dafür verlangen wirst, das war, glaube ich, die einfachste Entscheidung in dem ganzen Prozeler.
00:13:35: Das hast du ja sofort gesagt, wir machen das, aber wir nehmen nichts dafür.
00:13:38: Absolut.
00:13:39: Aber du wolltest ja trotzdem was Gutes damit gemacht wird.
00:13:43: Ihr seid ja euch dann auch einig geworden, dass sozusagen keine Raumiete gezahlt wird, sondern das, was an die Tafel gespendet wird.
00:13:49: Weißt du noch, wie viel und was gespendet wurde?
00:13:52: Ja, ich erinnere mich.
00:13:53: Ich hatte damals zu der Dame gesagt, okay, passen Sie auf.
00:13:56: Ich bin zwar absolut nicht begeistert von der Idee, aber mein Vater und auch unsere Prokoristinnen und auch diverse Mitarbeiter unterstützen ihr Vorhaben.
00:14:06: Wir machen das unter der Bedingung, dass wir die Bestattung nicht übernehmen, weil ich möchte nachher nicht damit in Verbindung gebracht werden.
00:14:12: nicht, dass es nachher so aussieht, als hätten wir einen Unterschlupf gewährt, nur damit wir eben da Geld verdienen.
00:14:16: Und ich möchte auch nichts für die Raummiete, aber spenden Sie doch bitte was an die Tafel.
00:14:20: Hintergrund war nämlich, dass ich auf dem Weg ins Bestattungshaus jeden Morgen an der Tafel in Stuttgart vorbeifahre oder gefahren bin seinerzeit und die Schlange von Jahr zu Jahr einfach immer länger wurde und mir hat das einfach unglaublich leid getan.
00:14:34: Und deswegen war mir sehr, sehr wichtig, dass ich was an die Tafel spendet, um einfach diese Menschen, die dort wirklich ganz, ganz fantastische Arbeit leisten, mit Sicherheit deutschlandweit zu unterstützen.
00:14:45: Ich weiß, sie hatten damals mit dem Geld, was die Dame gespendet hat, hatten sie damals, glaube ich, umgerechnet, fünfhundert Stangen Toastbrot eingekauft.
00:14:54: Genau
00:14:54: das meine ich, genau darauf wollte ich hinaus, weil das ist ja so, also Toastbrot, es ist sowas einfaches einfach, aber wenn man überlegt von der Stange Toastbrot, kann man sich auch ein paar Tage ernähren.
00:15:05: im Zweifel, also Deswegen, das war ja super.
00:15:07: Eigentlich ist es eine süße Geschichte, dass man sagt, wir haben geholfen und wir haben noch eine andere Stelle damit helfen lassen.
00:15:13: Sie hat ja das Geld an die Tafel gespendet für die Nutzung unseres Abschiedsraums, wie ich das wollte oder wie ich das vorgeschlagen hatte.
00:15:20: Und die Dame von der Tafel wiederum rief dann an, also die Vertreterin von der Tafel und sagte eben, Mensch, das ist ganz toll, weil da im Verwendungszweck stand dann auch noch der Name des Bestattungsinstituts drin und so weiter und so fort.
00:15:32: Und wie das dann kam, ich habe die Geschichte dann kurz erzählt, da ist sie natürlich dann auch erst mal so... bisschen fast vom Hörer gefallen, als sie dann irgendwie erfahren hat, wie sie denn zu den Spenden kamen.
00:15:40: Und also Long Story Short, es war einfach so, dass wir davon vielleicht ein paar Tage, ein paar Familien ernähren konnten.
00:15:48: So, das war für uns das erste Mal, wo wir mit dem Thema Sterbehilfe in Kontakt kamen.
00:15:54: Es kam dann auch zu dem Termin, an dem sie dann einschlief, an dem Samstag.
00:15:58: Es war ziemlich aufregend für alle Beteiligten im Bestattungshaus, weil wir sowas ja auch noch nicht erlebt hatten.
00:16:06: Aber wir waren tatsächlich auch erstaunt, wie professionell, gut strukturiert, schnell und auch harmonisch das Ganze über die Bühne gegangen ist an jenem Samstag.
00:16:17: Wir selber als Gastgeber haben natürlich nicht mit im Raum gesessen, dass wir dann tatsächlich bei einem Sterbenden am Bett sitzen.
00:16:22: Das kam dann drei Jahre später.
00:16:25: Nichtsdestotrotz war das so unsere erste.
00:16:27: Erfahrung mit dem Thema Sterbehilfe.
00:16:30: Ich werde aber nie vergessen, wie unglaublich dankbar diese Familie war.
00:16:35: Ich weiß noch, diese gefühlt dreizig Butterprätzeln, fünfzig Marmor-Schnecken, ich weiß nicht, drei Liter Kaffee in Thermos kannen, die sie mitbrachten, um die Mitarbeiter in unserem Bestattungshaus zu versorgen.
00:16:49: Das war sehr herzlich.
00:16:50: Sie waren unfassbar dankbar.
00:16:52: Ich weiß, dass die Patientin um dies damals ging, auch mit ihrem Neffen und mit ihrer Schwägerin noch morgens eine Flasche Rotwein vernichtet hat.
00:17:04: Musik noch sehr laut hören wollte und sich da also tierisch drauf gefreut hat, was für mich natürlich als Mensch der gesund ist und der am Leben hing total paradox war.
00:17:14: Aber man hat einfach gemerkt, die war einfach mit dem Umstand, dass sie gehen darf, deutlich glücklicher, wie mit dem Umstand, dass man sie im Leben gehalten hat.
00:17:22: Im Rahmen ihrer Krankheiten, die sie einfach hatte, schicksalhafterweise kam dann eine Woche später mein Vater zu Besuch.
00:17:30: Man muss dazu sagen, mein Vater lebte in Norddeutschland, also in einem kleinen Örtchen nördlich von Kiel.
00:17:37: Wir werden das nachher sicherlich noch vertiefen.
00:17:39: Und er kam zu uns zu Besuch, weil er eben seine Enkelin, also meine Tochter, besuchen wollte.
00:17:46: Ich habe ihn dann abgeholt am Flughafen Stuttgart.
00:17:49: Er sagte mir dann im Auto auf dem Weg vom Flughafen nach Hause.
00:17:53: Junior, ich habe mich bei einer Sterbehilfeorganisation angemeldet, weil ich nicht möchte, dass, wenn der Bauchspeicheltrüsenkrebs weiter voranschreitet, diese Schmerzen immer stärker werden, die ich jetzt mit Morphium schon kaum noch unter Kontrolle habe.
00:18:07: Und für mich war das erst mal ein Schlag ins Gesicht.
00:18:09: Also zunächst einmal mit der Erfahrung von der Dame, die da bei uns im Bestattungshaus eingeschlafen ist, unabhängig davon eine Woche zuvor, dachte ich mir dann, jetzt fängt der auch noch an damit.
00:18:18: Und ich empfand es damals tatsächlich als Angehöriger in meiner Eigenschaft als Sohn, der ja viel Zeit, Energie, Liebe, Geld in die Hand genommen hat, um ihn am Leben zu halten, empfand ich das erstmal auch als Verrat.
00:18:29: Ja, du hast dich ja total betrogen gefühlt.
00:18:31: Also ich habe mich total betrogen gefühlt und ich habe gedacht, das kann doch nicht sein Ernst sein, dass der jetzt die Flinte ins Korn wirft.
00:18:39: weil ich mich natürlich subjektiv erst mal auch nicht mit dem Thema Sterbehilfe befasst hatte, sondern weil ich dem Sterbehilfeverein, bei dem er sich damals angemeldet hatte, ein Stück weit auch die Schuld gab dafür, dass er jetzt die Flinte ins Korn war.
00:18:54: Also für mich war erst mal die Sterbehilfeorganisation schuldig daran, dass der Mensch jetzt sterben möchte.
00:18:58: Dass das für ihn ein Ausweg war, dass eben Leid verhindert wird, so habe ich das eben nicht gesehen.
00:19:04: Na, du hast ja Wochen und Monate lang in allen möglichen Kliniken gefahren in Deutschland, außerhalb von Deutschland.
00:19:09: Du warst ja eigentlich bezeitlang fast vierundzwanzig Stunden nur damit beschäftigt, am Krankenbett bei ihm zu sitzen oder mit ihm zu telefonieren.
00:19:16: Und klar, also wenn er dann kommt und sagt, ah ja, danke für alles, aber eigentlich, ich möchte jetzt eine Sterbehilfe.
00:19:22: Ich glaub, da wird sich jeder betrogen fühlen und verarscht, fühlen einfach.
00:19:25: Und es ist ja immer noch der Papa.
00:19:26: Und ihr habt ja so eine enge Bindung auch zueinander gehabt.
00:19:30: Man kann das gar nicht vergleichen.
00:19:31: Der Punkt war, wir kamen dann zu Hause an im Haus und meine Partnerin, die wusste natürlich auch schon, dass irgendwas nicht stimmt.
00:19:39: Also emotional belastet bist du sowieso schon, wenn dein Vater kurz vor dem Exodus steht mit Bauchspeicheldrüsenkrebs.
00:19:45: Jeder, der diese scheiß Krankheit kennt, der weiß, dass das dein Todesurteil ist oder eben das Todesurteil ist, das Patienten.
00:19:53: Und ich sagte ihr dann, du, der möchte Sterbehüfe in Anspruch nehmen und sie war auch erst mal völlig perplex, ja, weil wir dann natürlich irgendwo versucht haben, so eine Verbindung hinzubekommen zu dem Fall, der eben eine Woche zuvor bei uns im Bestattungshaus eingeschlafen ist und das rasten tausend Gedanken durch meinen Kopf.
00:20:16: Man sagt ja auch immer so schön gestorben, wird ja immer nur bei den anderen.
00:20:19: Also allgemein Tod ist ein Thema, das schiebt man, die Nachbarn sterben oder sonst irgendwie, aber gestorben, das machen immer nur die anderen Familien.
00:20:25: Wenn es einen dann ja doch selbst betrifft, so ein Thema.
00:20:27: Und ich meine, am Anfang weiß er gar nichts, er hat den Wunsch, aber du wusst ja auch nicht, wie schnell will er das, wie langsam will er das, wie funktioniert das.
00:20:34: Also es war ja eigentlich eine Mischung aus Wut, dass er das möchte und dich hintergeht, aber ja auch ein bisschen Verzweiflung, weil man ja gar nicht wusste, okay, wie ist denn der Weg jetzt dort hin?
00:20:42: Also, ich glaube, jeder Sohn, jede Tochter, jeder Enkel, jede Enkelin, jeder Mann, jede Frau, die jemanden verlieren.
00:20:50: Oder dabei sind jemanden, an einer Krankheit zu verlieren.
00:20:54: Wissen und können nachvollziehen, wenn ich sage, du bist in einem Tunnel wie ein Getriebener.
00:20:59: Du hast immer die Hoffnung, dass noch was geht.
00:21:01: Du hast immer die Hoffnung, dass noch ein Wunder geschieht.
00:21:03: Du hast immer die Hoffnung, dass noch irgendwo ein Mensch im weißen Kittel um die Ecke kommt und sagt, Mensch, wir kriegen das noch mal auf die Kette.
00:21:11: Wenn jetzt der Sterbende sagt, Ich möchte nicht mehr, ich möchte eine Sterbehilfeorganisation anrufen, um mich dort anzumelden.
00:21:20: Dann weißt du instinktiv, das neigt sich jetzt echt im Ende zu.
00:21:24: Und das war, glaube ich, so das, was mich schockiert hat, dass ich trotz aller Hoffnungen, die ich noch so hatte in der Zeit, dass er irgendwie noch lebensverlängernde Wunder herbeisehnen würde oder dass das noch irgendwas geschehen würde.
00:21:41: was sein Leben verlängert irgendwie noch Realität werden würde.
00:21:44: Und in dem Augenblick, als er sagte, ich möchte mich bei einer Sterbehilfeorganisation anmelden, wusste ich, die Sonntagsmesse ist hier gelesen.
00:21:52: Ich weiß auch noch, wie du mir erzählt hast.
00:21:54: Das Thema
00:21:54: ist durch.
00:21:55: Wie du mir Tage später erzählt hast, mein Vater gibt auf.
00:21:58: Und das war wie er gibt auf.
00:22:00: Er gibt auf.
00:22:00: Er möchte nichts mehr und nur noch Schmerzmittel vielleicht, aber an sich, er möchte nicht mehr.
00:22:05: Er möchte nicht mehr in Krankenhäuser gehen.
00:22:07: Er gibt auf.
00:22:08: Also das ist ja so ... überhaupt nicht greifbar gewesen, was das Ganze bedeutet.
00:22:13: Es war überhaupt ein Wunder, dass er überhaupt so lange durchgehalten hat und um so länger jemand durchhält.
00:22:18: Wenn jemand eine Diagnose hat, es geht vielleicht nur noch ein paar Wochen und Monate und ist über diesen Punkt der Erwartung hinaus, dann denkt man auch als Angehöriger, okay, er hat es ja bis jetzt geschafft.
00:22:27: Warum schafft das dann nicht noch weitere Monate oder Jahre?
00:22:30: Aber man schaut halt immer nur vorkopf, man kann nicht in den Kopf schauen und jemand, der so leidet,
00:22:34: der darf
00:22:35: auch aufgeben.
00:22:36: Es ist ja einfach so.
00:22:38: Ich habe dann ihn an dem Wochenende tatsächlich auch zum Flughafen gebracht und es war wiederbetretenes Schweigen im Auto und er fing dann eben noch mal von dem Thema an und ich sagte dann ganz gleich, ich will davon nichts hören.
00:22:49: Ich habe da keinen Bock drauf, erzähle das oder kläre das mit deiner Partnerin, aber nicht mit mir.
00:22:54: weil ich war einfach sauer, beleidigt, hab mich verraten gefühlt, wusste aber instinktiv, der zieht das durch.
00:22:59: Also ich wusste instinktiv, ich kannte meinen Vater und wenn wirklich eine Eigenschaft auf ihn zutrafft in seinem Leben, dann war das die Eigenschaft, Dinge durchzuziehen.
00:23:08: Und deswegen war mir relativ schnell klar, der wird eines Tages mit einer Sterbihilfeorganisation zu Hause einschlafen, mittels Vergabe von entsprechenden Medikamenten.
00:23:21: Das war dann auch das, was ich so in die darauf folgenden Wochen genommen habe.
00:23:24: Ich bin dann noch mal hochgeflogen und zu ihm, ich bin damals immer nach Hamburg geflogen und bin dann von dort mit dem Leihwagen immer weiter gefahren Richtung Kiel und habe ihn dann da besucht und wollte mit ihm auch noch mal sprechen.
00:23:39: Und was ich auch so so bemerkenswert erschreckend fand, war, dass er in seiner Eigenschaft als sterbender Mensch, der das Lebensendehen nun vor Augen hatte, so um glaublich rational war.
00:23:52: Ich weiß noch, ich habe bei ihm im Gästezimmer geschlafen.
00:23:56: Wenn ich dort übernachtet habe, bin dann nachts irgendwann wach geworden, weil Geraschel im Keller war.
00:24:02: Und ich habe erst gedacht, hat einer vergessen, den Wäschetrockner auszumachen.
00:24:05: Jetzt habe ich den da unten entdeckt, wie er da Kartons zusammenpackt, wie er sein PC abbaut und dann sieht er mich.
00:24:11: Und statt sich zu erschrecken, sagte er dann so, komm mal ran, Junior, pack mal an, wir müssen den PC abbauen.
00:24:16: Wir müssen die Klamotten zusammenpacken, weil mich gibt es bald nicht mehr und ich möchte nicht, dass das ganze Zeug hier rumliegt und irgendeine Arbeit wegen mir damit hätte.
00:24:25: Und das hat mich so schockiert, weil ich damit oder da auch das erste Mal mit dem Gedankengut sterbenden in berührung kam und wirklich auch erschrocken war wie rational und nüchtern der mit seinem eigenen leben abgeschlossen hatte.
00:24:42: und da war ich psychosomatisch noch welten von entfernt weil für mich begann ja zu der zeit auch schon so dieser trauerprozess.
00:24:50: auch in den tagen hat sich dann mit ihm immer wieder das gespräch suchte.
00:24:53: bezüglich dieser sterbehilfeorganisation bei der er sich dann angemeldet hatte war der so überzeugt von der idee man muss so ein bisschen ausweichen auf so ein rast platz bei der ganzen geschichte.
00:25:06: es war so dass er sechs wochen zuvor eine seiner besten Freundinnen an Krebs verloren hatte.
00:25:11: Die Freundin von ihm hatte Lungenkrebs, auch sehr tragisch, die war auch glaube ich erst Ende vierzig, Anfang fünfzig, also auch noch sehr jung.
00:25:21: Die hatte eben keine Sterbehilfe für sich in Erwägung gezogen und erstickte eben über sehr viele Tage hinweg, also alle da einen Un... unglaublich qualvollen Tod.
00:25:31: Und das hat er halt miterlebt.
00:25:34: Schon als Krebspatient.
00:25:35: Und für ihn war er einfach klar, er möchte so nicht gehen.
00:25:38: Also das hat er auch immer wieder betont.
00:25:40: Er hat es mir auch immer wieder klar gemacht, dass er sehr wohl weiß, dass ich das nicht möchte.
00:25:45: Aber er hat mir gleichzeitig klar gemacht, dass es nicht sein Ziel ist, davor sich hinzusiechen und darauf zu warten, bis er innerlich erstickt.
00:25:53: Und aus dem Aspekt heraus habe ich natürlich Verständnis dafür gehabt, weil du willst ja auch nicht, dass jemand den du liebst oder Egal ob du ihn liebst oder nicht liebst, aber du möchtest ja nicht, dass ein Lebewesen leiden muss.
00:26:05: Also ich sehe das ganz klipp und klar für mich so, dass ich also nichts unterstützen wollen würde, was jemandem zum Leiden bringt.
00:26:11: Und daraus resultierend habe ich dann einfach auch diesem Wunsch, Sterbehilfe in Anspruch zu nehmen, dann irgendwann auch die Tage drauf dann einfach.
00:26:20: Ja, nicht nur nachvollziehen können, sondern auch verstanden und für mich akzeptieren können.
00:26:24: Für mich war klar, wir machen das als Team zusammen.
00:26:27: Es hat uns wieder zusammengeschweißt, weil er gemerkt hat, mein Wingman ist wieder am Start.
00:26:32: Und er kann sich dann jetzt sozusagen, auch wenn sich das total blöd anhört, in Ruhe auf den Tod vorbereiten.
00:26:39: Ja, es hat sich auch deine Rolle verändert, finde ich.
00:26:41: Deine erste Rolle war, wie erhalt ich meinen Papa irgendwie am Leben?
00:26:45: Wie habe ich noch das Erzeit mit uns verbringt, mit mir verbringt?
00:26:49: die Rolle umgewandert.
00:26:50: und wie schaffe ich es, dass so die letzten Wochen, Monate, das war ja auch noch nicht ganz klar, wann das ganze dann stattfindet oder wie schnell, aber wie schafft man das über den Zeitraum, ihm so angenehm wie möglich zu machen.
00:27:03: Also deine Rolle hat sich ja einfach verändert.
00:27:05: Wir sind viel gereist.
00:27:06: Er war ein flugbegeisterter Mensch.
00:27:08: Er hat dann da einen Flugsimulator noch von mir bekommen.
00:27:12: Den hat er aufgebaut unten im Keller.
00:27:15: Wir waren oft am Frankfurter Flughafen.
00:27:16: Dort gibt es so verschiedene Flugsimulatoren.
00:27:21: Dort hat er sich begeistern können.
00:27:23: Wir haben versucht zu reisen.
00:27:24: Wir wollten noch mal zur Formel I, die hat damals in Istanbul stattgefunden, aber das haben wir gelassen, weil eben einfach die inneren regelmäßigen Blutungen, die er bekam, durch dieses völlig zerstörte Verdauungssystem und die hohe Medikation einfach dafür gesorgt haben, dass wir festgestellt haben, dass es zu gefährlich ist.
00:27:41: Aber wir haben viel Zeit miteinander verbracht, wir haben viel geredet, wo vorne oft sprach ist, dass er bei seiner Sterbehilfeorganisation, mit der er eben gehen wollte, oft in der Luft hingen.
00:27:50: geworben, dann hatte man eben beziehungsweise ihm erstmal Mitgliedsanträge zukommen lassen.
00:27:55: Die hat er ausgefüllt, wurde dann dort Mitglied, hat dort Mitgliedsbeitrag geleistet und dann hat man sich... gemeldet und gesagt, okay, jetzt müssen wir ein paar Monate vergehen.
00:28:05: Und er sagte, Mensch, ich hab Bauchspeicheltrüsenkrebs.
00:28:07: In ein paar Monaten bin ich dreimal gestorben.
00:28:10: Das bringt mir nichts.
00:28:10: Und dann hatte man sich irgendwie eben seiner angenommen und gesagt, okay, wir gucken mal, ob wir's ein bisschen beschleunigen können.
00:28:17: Es wurde aber nicht so richtig aus einer Hand organisiert.
00:28:19: Also man hatte dann verschiedene Ansprechpartner bei dieser Sterbehilfeorganisation und musste dann sich seine Information selber zusammensammeln, was für uns unglaublich behäbig und schwierig war, weil Sterbehilfe zu dem Zeitpunkt ... Zeitpunkt in Deutschland ja nun noch nicht etabliert war.
00:28:33: Sterbehilfe gab es zu dem Zeitpunkt, der bis dato eben immer nur bekanntermaßen aus der Schweiz oder in der Schweiz in Holland, wo es praktiziert wurde.
00:28:42: Aber für uns Deutsche war es ja einfach Neuland.
00:28:44: und wenn du dann natürlich auch noch einen schwerstkranken Mann, Vater zu Hause hast, dann hast du andere Probleme als dich dann mit dem Zusammensammeln von Informationsmosaiksteinchen zu befassen, um dann zu gucken, wie komme ich im letzten Endes.
00:28:59: dahin und ich weiß noch, dass er wirklich furchtbar schimpfen konnte abends auch, dass sich jetzt der Arzt wieder nicht gemeldet hat oder die Pflegerin nicht angerufen hatte oder die Ansprechpartnerin im Verein wieder nicht wusste, wie geht es jetzt mit ihm weiter?
00:29:15: und er hatte dann natürlich auch echt Angst.
00:29:16: Also er hat dann irgendwann echt Panik bekommen, weil er gesagt hat, jetzt bin ich hier schon Mitglied und was mache ich denn eigentlich, wenn ich den Verein jetzt brauche, aber dieser Verein für mich nachher nicht da ist, dann bin ich Tja!
00:29:30: irgendwie auch wieder in der gleichen Situation wie vor meiner Mitgliedschaft.
00:29:33: Ja, und er hatte ja auch Angst, noch mal ins Krankenhaus zu kommen.
00:29:35: Das weiß ich auch noch, weil wir standen ja auch in der Zeit immer wieder im Kontakt, auch wenn du bei deinem Papa oben warst.
00:29:41: Er wollte ja einfach nicht mehr ins Krankenhaus, er hat gesagt, er möchte das.
00:29:43: Und wenn man mal höflich so nebenbei gefragt hat, okay, weiß man denn jetzt, wann der Termin stattfindet?
00:29:48: Nee, ist immer noch nicht klar.
00:29:49: Und das hat sich ja über Wochen gezogen.
00:29:51: Das war ja nicht so, dass man sagt, es hat sich von zwei, drei Tagen gezogen, sondern es war ja immer wieder, und man wusste ewig lang nicht, okay, wann findet der Termin statt?
00:29:59: wiederum hat man gesehen, wie dein Papa auch zerfällt.
00:30:03: Also, ich glaub, drei Wochen vorher, da war ich ja auch noch in Bremen einmal oben, da warst du ja mit ihm in Bremen.
00:30:08: Und da hatte ich ihn auch kurz gesehen.
00:30:10: Ich durfte ihn auch kennenlernen, auch vorher schon, kurze Zeit.
00:30:15: Und aus dem großen, starken Mann war nur noch ein Strich in der Landschaft.
00:30:19: Also, man wusste gar nicht mehr, hält er noch Wochen überhaupt durch?
00:30:23: Hält er noch Tage durch?
00:30:24: Ihm ging es ja schon so schlecht damals.
00:30:26: Ja, also, das Leben war ich dir aus dem Körper.
00:30:28: Und du siehst es ja bei Patienten, die eben so wirklich an so harten Krankheiten leiden, dass die Seele so langsam den Körper verlässt und diese Hülle zurückbleibt.
00:30:40: Und das war tatsächlich auch sehr prägend für mich.
00:30:43: War auch sehr prägend im Verlauf der weiteren Arbeit.
00:30:46: Ich weiß dann, es war dann... Irgendwann im Mai, im Mai, im Mai, im Mai, im Mai, im Mai, im Mai, im Mai, im Mai, im Mai, im Mai, im Mai, im Mai, im Mai, im Mai, im Mai, im Mai, im Mai, im Mai, im Mai, im Mai, im Mai, im Mai, im Mai, im Mai, im Mai, im Mai, im Mai, im Mai, im Mai, im Mai, im Mai, im Mai, im Mai, im Mai, im Mai, im Mai, im Mai, im Mai, im Mai, im Mai, im Mai, im Mai, im Mai, im Mai, im Mai, im Mai, im Mai, im Mai, im Mai, im Mai, im Mai, im Mai, im Mai, im Mai, im Mai, im Mai, im Mai, im Mai, im Mai, im Mai, im Mai, im Mai, im Mai, im Mai, im Mai, im Mai, im Mai, im Mai, im Mai, im Mai, im Mai, im Mai, im Ich darf im Oktober endlich sterben.
00:31:10: Ich weiß nicht mehr genau, welcher Oktober es war, aber es gab einen Tag im Oktober.
00:31:14: Dort hatte er dann eben finally seinen Termin bekommen, um einschlafen zu dürfen.
00:31:19: Was wir natürlich da zu dem Zeitpunkt im Frühling, zweiundzwanzig, noch nicht wussten, dass er diesen Termin never ever erreichen würde.
00:31:26: Also es ging ihm dann so schlecht.
00:31:29: dass wir im August dann von Stuttgart mit der Familie nach Kiel sind, in die Nähe von Kiel sind, um dann dort nochmal Abschied zu nehmen.
00:31:40: Ich bin vorgefahren.
00:31:41: Die Familie kam mit dem Flieger nach und der Punkt war, dass es ihm immer sehr wichtig war, dass wenn er mal stirbt, dass wir auch die Bestattung übernehmen.
00:31:49: Das war ein sehr, sehr großes Anliegen.
00:31:50: Ich hatte da überhaupt keine Lust drauf, auf der anderen Seite dem eigenen Vater einen fremden Bestatter zu übergehen.
00:31:56: Wenn man selber Bestatter ist, kann für mich auch nicht infrage.
00:31:58: Das
00:31:58: geht ja nicht.
00:31:59: Das macht man einfach nicht.
00:32:00: Genau, also machst du jetzt Pest oder machst du jetzt Kohlerer?
00:32:03: Also
00:32:03: die wenigen, die vielleicht auch aus der Branche kommen von euch Hörerinnen und Hörer, die wissen auch, man gibt das nicht weiter.
00:32:10: Wenn es nicht sein muss aus irgendwelchen Gründen, dann als Bestatter, man übergibt niemanden an einem Bestatter.
00:32:14: Und wenn es der Nachbar ist, auch das die engen, angehörigen Freunde.
00:32:18: Klar, Familie auf jeden Fall, die macht man selbst, also da kümmert sich man sich selbst drum.
00:32:22: Ja, da geht es auch gar nicht um den monetären Aspekt, sondern da geht es eigentlich eher so ein bisschen um diesen Aspekt, dass man sich kümmert.
00:32:27: Also man kümmert sich um sein Umfeld.
00:32:31: Zumindest ging es uns so im Rahmen der eigenen Möglichkeiten.
00:32:34: Und wenn du die Möglichkeiten hast, eine Bestattung durchzuführen, dann ist es natürlich völlig klar, dass du Menschen in deiner Familie und gerade wenn es auch der eigene Vater, die eigene Mutter ist, dass du diese Menschen selber bestattest.
00:32:44: Das war ganz klar.
00:32:47: Mein Vater war immer Pionier, der hatte Geschäftsideen und wirklich auch Gedanken zu neuen Themen, wie könnte man etwas optimieren, sei es im privaten, sei es im beruflichen und übergab mir dann.
00:33:04: Also er starb an einem Samstag, das war der siebenundzwanzigste August und er übergab mir am sechsunzwanzigsten August.
00:33:15: Ja, so am Freitag, am Vorabend.
00:33:18: Und da sagte er mir, dass er sich sehr wünschen würde, wenn wir in unserer Eigenschaft als Bestatter das Thema Sterbehilfe weiter hochhissen würden in seinem Interesse auch.
00:33:31: Und das war für mich natürlich überhaupt kein Thema zu der Zeit.
00:33:33: Also du bist am Vorabend, du weißt am nächsten Tag, stirbt dein Vater, das weißt du ganz gewiss.
00:33:38: Du hast tausend Sachen im Kopf, deine Kinder sind im Hotel mit dir, die fragen natürlich auch Papa, was ist da los?
00:33:43: Warum sind hier alle so traurig?
00:33:45: Ja, dann weißt du nicht, erzählt es denen jetzt, erzählt es denen jetzt nicht.
00:33:48: Auch ein riesen Thema auch für die kommenden Folgen.
00:33:50: Also gerade das Thema Angehörige und Sterbehilfe wird ein riesen Thema bei uns sein in den nächsten Folgen, weil die einfach oftmals ja außen vorgelassen werden in der gesamten Thematik, was einfach falsch ist.
00:34:00: Aber ja.
00:34:02: Es war dann eben so, dass er sagte, dass es da einen riesigen Bedarf sicherlich gäbe und er auch aus den Krebs-Selbsthilfegruppen wüsste, in denen er da angemeldet war, wie groß die Nachfrage und auch der Bedarf sei an Sterbehilfe.
00:34:19: in dem Bereich, weil es eben einfach wahnsinnig viele Menschen und Krebspatienten gibt, die eben wissen, sie müssen sterben, okay, ihr Horizont ist endlich, okay, aber sie wollen eben diesen letzten Leidensweg nicht erleben müssen, wenn sie dann ausgeliefert sind, also diesem Sterbeprozess ausgeliefert zu sein.
00:34:35: Das empfand er als etwas ganz Grauenvolles und er wollte, dass ich sozusagen Kenntnis davon nehme.
00:34:44: und mir auch der Wichtigkeit dieser Sache bewusst werde und übergab mir dann eben so ein kleines Pamphley, in dem er noch mal niedergeschrieben hatte, wie er sich so eine Sterbehilfe-Organisation vorstellen würde, im Hinblick auf wenig Hürden, wenig Barrieren, wenig Bürokratie und einem schnellen Zugang für Menschen, um gehört zu werden, weil er ja durch seine eigene Geschichte und durch seinen eigenen Anmeldeprozess im Sterbehilfeverein eben wusste, dass das Ganze eben mit relativ hohen Hürden auch behaftet war.
00:35:15: Schlussendlich war es dann so, ich nahm das erst mal zur Kenntnis, ich nahm auch dieses Pamphlet im Gegend.
00:35:19: Ich habe ihm damals natürlich auch gesagt, klar, ich kümmere mich, ich gucke mal, was man daraus machen kann.
00:35:24: Aber da wusste ich natürlich nicht, dass aus diesem kleinen Pamphlet, aus diesem zusammengeknüllten Zetteln irgendwann mal eine der größten Sterbehilfeorganisationen Deutschlands entstehen würden.
00:35:34: Das war für mich zu der Zeit natürlich absolut nicht Thema.
00:35:38: Er verstarb am darauf folgende Tag.
00:35:40: Er nahm sich also mithilfe einer Sterbehilfeorganisation das Leben und die Uhren standen erst mal still.
00:35:45: Also du bist leer, du bist ausgehöhlt.
00:35:49: Du läufst dann allein durch die Straßen und du bist erst mal, ja stehst einfach völlig neben dir.
00:35:57: Zumindest ging es mir damals so.
00:35:58: Ich weiß nicht.
00:36:00: Wie es den Menschen geht, die sowas schon erlebt haben, in so einem Augenblick.
00:36:03: Aber ich war komplett leer, ich wusste auch nicht, in welche Richtung es dann weitergehen sollte.
00:36:10: Damals war es so, es kam die Polizei zu uns nach Hause, die dann natürlich untersuchen wollte, was es eben mit diesem Sterbehilfevorgang auf sich hatte.
00:36:20: Das ist ein Routinevorgang, wie wir heute wissen.
00:36:25: Und schlussendlich ... Ja, war uns das Thema Sterbehilfe in seinen einzelnen Bestandteilen einfach noch nicht so wirklich klar.
00:36:33: Wir wussten ja auch gar nicht, welche vorrechtlichen Voraussetzungen.
00:36:36: musst du mitbringen.
00:36:38: Wie sieht so ein Bewerbungsprozess aus?
00:36:39: Wir haben das ja als Angehörige, als Freunde, als Kollegen, kann man sagen, nur von außen mitbegleitet.
00:36:46: Wie detailliert das Ganze vorzubereiten ist und dass es da klare rechtliche Rahmenbedingungen gibt, das haben wir ja erst sehr viel später erfahren.
00:36:54: Ja, man geht auch davon aus, an dem Tag, das klappt ja alles rechtlich.
00:36:57: Also man denkt ja nicht okay.
00:36:59: Jemand geht fremdes rein.
00:37:00: Aber als Angehöriger hattet ihr auch relativ wenig Kontakt.
00:37:03: Natürlich, ich weiß noch, du hast erzählt, ihr habt auch nachgefragt.
00:37:05: Ist das wirklich legal?
00:37:06: Kann man das wirklich machen?
00:37:07: Geht das wirklich zu Hause?
00:37:09: Das sind ja Fragen, die beantwortet wurden.
00:37:11: Aber alles drumherum war ja einfach nur so unbekannt.
00:37:15: Und auch, was man online dazu gefunden hat, als du dann auch wieder ja da warst und wir uns ja auch darüber unterhalten hatten, haben wir ja auch mal geschaut, okay, was findet man online zu dem Thema?
00:37:24: Gibt es irgendwie Hilfegruppen, wo man sich auch hinwenden könnte?
00:37:27: Man hat so gut wie nichts gefunden, in dem Jahr.
00:37:29: Ich meine, das war schon seit über zwei Jahren, fast zweieinhalb Jahre, war es legal hier in Deutschland, dass man das macht.
00:37:36: Beziehungsweise ist es ja straffrei geworden und trotzdem findet man nichts.
00:37:40: Und dann haben wir halt angefangen weiter zu recherchieren.
00:37:43: Wir haben dann Anwälter angeschrieben, angefragt, da ist auch erst mal die Frage, wohin geht man?
00:37:47: Medizinrecht, Strafrecht, gesellschaftliche Rechtsthemen.
00:37:52: Also wir haben ja von Anfang an erst mal geschaut, was sind die rechtlichen Rahmenbedingungen, weil ja auch die Vereine an sich alle nach einem ähnlichen Prinzip herarbeiten.
00:38:00: Man ist erst mal Mitglied.
00:38:01: Dann irgendwann stellt man den Antrag nach vielen Wochen, Monaten.
00:38:05: Also dieses ganze Prozedere wollten wir ja verschlanken, weil dein Papa ja auch gesagt hat, das kann ja nicht sein, dass das alles so lange dauert.
00:38:11: Aber wir wussten ja nicht, geht das überhaupt?
00:38:13: Weil warum machen es dann die anderen nicht?
00:38:16: Und dann haben wir ja die Hebel im Bewegengesetz erst mal die rechtlichen Themen zu klären.
00:38:20: Also von der direkten Gründung, da waren wir ja noch so weit entfernt im ersten Schritt.
00:38:24: Ja, und ich hatte auch erst mal andere Probleme.
00:38:26: Also mein Vater war gerade gestorben.
00:38:28: mit Sterbehilfe selber war ich in seinen einzelnen Bestandteil nicht konfrontiert.
00:38:31: Also ich wusste ja gar nicht, welche Voraussetzungen musst du erfüllen?
00:38:34: Was hat der Arzt zu erledigen?
00:38:35: Was hat die Sterbehilfeorganisation selbst zu erledigen?
00:38:38: Das kam ja alles erst sehr viel später.
00:38:40: Erstmal musste ich ja nun den Verlust des eigenen Vaters irgendwie den Griff bekommen.
00:38:46: Und ich weiß noch, ich hab ihn dann damals eben aus diesem kleinen Örtchen bei Kiel, wo er starb.
00:38:52: zu Hause, hab ich ihn dann ... mitgenommen im Bestattungsfahrzeug Richtung Süddeutschland, also es war klar, dass er bei uns im Bestattungshaus im Nordschwarzwald vorbereitet werden sollte für seine Beerdigung, also für die Einäscherung.
00:39:07: Und er wurde dann drei Wochen später auf dem Friedhof begraben, auf dem er begraben werden wollte.
00:39:16: Er hatte das auch zu Lebzeiten noch ausgesucht.
00:39:18: Also wir waren dann in seinen letzten Wochen, als er noch laufen konnte, waren wir dann beim Friedhofsgärtner dort oben bei sich, wo er eben beigesetzt werden wollte in Norddeutschland.
00:39:29: Wir waren Beim Steinmetz, wir waren bei der Friedhofsverwaltung, also er hatte zu Lebzeiten eigentlich auch schon festgelegt, wie er das Ganze eben haben möchte.
00:39:37: Und ich habe das natürlich auch unterstützt.
00:39:39: Klar, wenn der Sterben eine Wünsche äußert, dann ist es ja ein leichtes als Leben dazu sagen, natürlich mache ich das oder als gesunder Mensch zu sagen, natürlich machen wir das so, wie du das möchtest.
00:39:50: Ja, aber ich kam nicht klar und ich habe auch gemerkt, dass diese Arbeit im Bestattungshaus anschließend, als er dann beigesetzt wurde, für mich nicht mehr.
00:40:00: tragbar und realisierbar war.
00:40:01: Ich war dauergetriggert, kann man sagen.
00:40:05: Du warst ja plötzlich auf der anderen Seite.
00:40:07: Also das ist ja, dass du warst auf der Seite, die ja eigentlich beraten wird von den Bestattern, wo die Arbeit abgenommen wird.
00:40:12: Also du hast ja die andere Seite erlebt und hast ja auch, du hast ja auch Trauerreden gehalten vorher.
00:40:19: Konntest du dann auch nicht mehr, weil es dich einfach emotional zu sehr mitgenommen hat.
00:40:22: Und jahrelang im Bestattungswesen zu arbeiten und das dann plötzlich nicht mehr zu können.
00:40:27: Man kann sich das kaum vorstellen, dass es wie ein Lebensinhalt, der weggenommen wird.
00:40:31: Bestatter sein, macht man auch aus Leidenschaft, wenn man's gerne macht.
00:40:35: Und es war ja einfach dein Leben, was in dem Moment irgendwie erschwert wurde, was du einfach nicht mehr konntest.
00:40:40: Du kanntest das von dir nicht.
00:40:41: Du hast ja immer gearbeitet, immer alles durchgezogen, warst immer ein Kämpfer.
00:40:45: Und dann warst du an dem Punkt, wo du ... wo es einfach nicht mehr ging, wo du einfach mit dir selbst nichts mehr anzufangen wirst.
00:40:51: Ja, also es war ja nicht mal so, als dass ich das Gefühl gehabt hätte, man hat mir irgendwie meine Waffen weggenommen und ich stehe jetzt hilflos da, sondern es war tatsächlich so, dass ich in einem Lebensumstand mich befunden habe nach dem Tod meines Vaters, in dem ich vorher noch nie war.
00:41:05: Und das ist auch etwas, was ich heute in meiner Eigenschaft als Geschäftsführer einer Sterbehilfeorganisation auch immer wieder mitnehme in den Arbeitstag.
00:41:15: Egal wie Menschen, egal wie Altmenschen sind, sobald du deine Eltern verlierst, bist du Kind.
00:41:25: Es spielt dann keine Rolle mehr, wie alt du bist, denn in dem Augenblick, wo du Vater oder Mutter verlierst, verlierst du einen ganz entscheidenden Teil deines Kompers.
00:41:36: Du verlierst einen ganz entscheidenden Teil deiner Wurzeln und ein Teil dieses Stammes stirbt einfach ab.
00:41:43: Wenn ein Teil der Wurzel wegbricht oder stirbt, dann stirbt auch ein Teil des Stammens.
00:41:46: Und so fühlst du dich dann auch.
00:41:49: Du fühlst dich wie ausgekotzt, du fühlst dich leer.
00:41:52: Du fühlst dich vor allem und das hatte ich auch ganz stark orientierungslos.
00:41:57: Und das ist eigentlich total paradox, weil du bist Geschäftsführer einer Bestattungsorganisation.
00:42:01: Du lebst in einem schönen Einfamilienhaus am Stadtrand von Stuttgart.
00:42:04: Du hast zwei gesunde Kinder.
00:42:07: Du hast einen gesunden Hund.
00:42:12: die dich lieb hat, die du auch lieb hast.
00:42:14: Also du hast ja stabile Rahmenbedingungen, weißt du?
00:42:18: Und dann stirbt einer von deinen Eltern und dann bist du sowas von verloren, lost und orientierungslos, dass du einfach auch was echt mit der Angst zu tun bekommst und dann bist du nicht stabil.
00:42:33: Und ich bin ganz oft dann eben die Tage nach seiner Beerdigung ins Bestattungshaus gefahren, habe versucht Normalität.
00:42:39: Beizuleben, es war nicht mehr möglich.
00:42:42: Ich hatte keine Möglichkeit, mich zu fokussieren.
00:42:44: Also ich habe im Raum gesessen und war geistig, aber woanders.
00:42:48: Und ich habe mir einen Kaffee gemacht und habe gar nicht gemerkt, was ich da eigentlich für einen Kaffee fabriziere.
00:42:53: Es war völlig unerheblich, weil ich einfach komplett neben mir stand.
00:42:57: Und der Punkt war, dass ich dann noch eine Trauerrede gehalten habe damals für eine Familie, die sich das unbedingt gewünscht hatte.
00:43:08: Jetzt mal unabhängig eben vom Tod meines Vaters.
00:43:10: Da war eben Wochen zuvor eine Frau gestorben und die hatte sich im Rahmen der Bestattungsvorsorge bei mir im Bestattungshaus damals gewünscht, dass ich die Rede halte.
00:43:19: Mit der Dame kam ich auch wirklich sehr, sehr gut zurechtmenschlich, kam auch mit der ganzen Familie super zurecht.
00:43:26: Die wollten eben, dass ich diese Trauerrede halte und jetzt war das aber kurz nachdem mein eigener Vater starb.
00:43:30: Jetzt lässt du die Leute ja trotzdem nicht hängen, weil du bist ja auch ein ganz Mann.
00:43:36: Subjektiv der Meinung läuft ja alles.
00:43:38: Ist ja alles in Ordnung.
00:43:39: Du merkst zwar schon, oh Scheiße, da stimmt was nicht.
00:43:42: Und irgendwie fängt der Zug an zu schlingern.
00:43:44: Und so langsam verlassen wir dann das sichere Gleisbett.
00:43:48: Aber du bist ja natürlich trotzdem subjektiv der Überzeugung, läuft alles vernünftig.
00:43:53: Und ich bin dann auf den Friedhof gefahren und wollte dann diese Trauerrede halten.
00:43:57: Und das ging so völlig, völlig, völlig in die Hose.
00:44:00: Das ging sowas von in die Hose.
00:44:02: Ich hab Panikattacken gekriegt, ich hab Schweißausbrüche gekriegt.
00:44:06: Wenn ich heute darüber nachdenke, ist es schon wieder fast witzig, mich da so zu sehen, weil es könnte auch eine Komödie sein mit Adam Sandler.
00:44:12: Der ist total versaut da draußen.
00:44:15: Nur die kurzen Hosen.
00:44:16: Oder irgendwie der vierte Teil von Hangover, wo du völlig zerstört auf dem Friedhof stehst.
00:44:23: Damals war es natürlich auch nicht witzig.
00:44:25: Ich hab's dann noch über die Bühne bekommen.
00:44:27: Sie haben auch tatsächlich nichts gemerkt.
00:44:29: Aber als ich mich nach dieser Trauerrede auf dem Friedhof, nach dieser Beisetzung ins Auto gesetzt habe, ich habe so geschwitzt, ich habe so geschwitzt, dass mein Hemd wirklich klitschnass war.
00:44:39: Und das lag nicht an den winterlichen Temperaturen, sondern das lag halt echt daran, dass ich einfach so gearbeitet und geackert habe innerlich.
00:44:48: Und da war für mich ab dem Zeitpunkt klar, ich werde jetzt nicht mehr ins Bestattungshaus zurückgehen.
00:44:52: Und ich bin auch nicht nach dem Friedhof ins Bestattungshaus gefahren.
00:44:55: Du bist weitergefahren?
00:44:55: Ich bin nach Hause gefahren.
00:44:56: Da hast du noch zur Meldung
00:44:57: gesagt, ich fahre jetzt doch nicht mehr ins Büro, ich fahre nach Hause.
00:45:00: Ja, das war meine Freiheit, die ich mir damals rausgenommen hatte.
00:45:04: Ich hatte einfach Angst, wieder ins Bestattungshaus zu gehen.
00:45:06: Ich wollte da nicht hin.
00:45:09: Nee, ich wollte da nicht mehr hin.
00:45:10: Und hab mir damals auch von den Mitarbeitern noch meine Sachen, die ich vormittags noch vor dieser Beisetzung Bestattungshaus zurückgelassen hatte, die hab ich mir nach Hause bringen lassen.
00:45:18: Und hab dann dich, Julia, angerufen und gesagt, ich komm jetzt erst mal nicht mehr wieder.
00:45:24: Und bin dann ins spanische Exil.
00:45:28: Also kurz zum Hintergrund, ich bin in Spanien aufgewachsen.
00:45:31: Mein Vater ist ausgewandert, da war ich noch ein kleiner Junge und wir haben noch sehr viel Zeit verbracht.
00:45:35: Er hat dort auch wirklich bis kurz, also wenige Jahre vor seinem Tod gelebt.
00:45:40: Und das war im schönen Andalusien in Südspanien.
00:45:45: Da bin ich dann erst mal hingeflohen, was ja auch eigentlich wieder paradox ist.
00:45:48: Weil, du ja eigentlich nicht.
00:45:51: Dort hinfließt, wo dich ja sozusagen auch wieder alles triggert.
00:45:54: Weißt du, wie ich meine?
00:45:55: Also du gehst aus dem Bestattungshaus raus.
00:45:57: Du gehst aus dem Bestattungshaus raus, weil es dich triggert.
00:45:59: Nach der Beerdigung deines Vaters.
00:46:01: Du bist nicht mehr in der Lage, deinen Job als Geschäftsführer eines Bestattungshauses durchzuziehen.
00:46:04: Okay.
00:46:06: Jetzt gehst du dahin, wo du mit deinem Vater die schönsten Momente deines Lebens gefeiert hast.
00:46:12: Das sind wir ja wieder bei dem Pest- und Kohlerer-Thema.
00:46:14: Also auch wieder nicht wirklich gut überlegt.
00:46:18: Aber egal, Hauptsache erst mal nach vorne geflohen.
00:46:20: Ich hatte das Meer, ich hatte den blauen Himmel, ich hatte die Berge, ich hatte die Natur.
00:46:23: Und jeder, der schon mal abends in Andalusien im Sommer irgendwo im Garten saß, insofern er sich glücklich schätzen konnte bisher in seinem Leben, dass er das miterleben durfte.
00:46:33: Der weiß wie unglaublich toll und schön diese Natur riecht abends, wenn die Sonne untergeht.
00:46:39: Und das war dann so meine Zeit, in der ich mich dann mal so ein bisschen zurückgezogen habe und in der ich mich auch mal so ein bisschen auf das Wesentliche besinnen konnte.
00:46:47: Ich hatte tolle Unterstützung, ich hatte tolle Mitarbeiter im Bestattungsinstitut.
00:46:50: Du hast das super gemeistert.
00:46:52: Meine Frau zu Hause hat das super gemeistert mit den Kindern.
00:46:56: Ich konnte mich wirklich mal auf mich konzentrieren.
00:46:57: Das hat mir sehr geholfen.
00:46:59: Und ich hatte lustigerweise, als ich nach Spanien flog, hatte ich mir eine kleine Tasche gepackt, so mit dem nötigsten, kleinen Koffer und so weiter, als man bisher vielleicht auch nicht unbedingt so wählerisch bei der Nagadrobe, vor allem nicht, wenn du so innerlich auf der Flucht bist.
00:47:15: Und hab damals Unterlagen mitgenommen, von denen ich glaubte, ich würde sie halt brauchen, keine Ahnung, Online-Banking-Codes oder Briefe vom, weiß der, Kuckuck war's, ja, wo du halt einfach denkst so, das könntest du jetzt, wenn du jetzt abreißt und da erst mal ein paar Wochen, Monate wegbleibst, noch gebrauchen, so, zur Bearbeitung.
00:47:32: Zum Abends mal hinsetzen und dann...
00:47:35: Was du dann sowieso nicht machst.
00:47:36: Weil du dann abends irgendwo bei Netflix, zwischen Netflix und Sofa, einfach einschläfst, obwohl du eigentlich noch Post bearbeiten wolltest.
00:47:42: Aber genau jene Post hab ich dann mitgenommen.
00:47:44: war dieses Pamphlet von Linus dabei.
00:47:47: Beziehungsweise es war zu dem Zeitpunkt ja noch nicht Linus, es war ja zu dem Zeitpunkt einfach irgendeine Sterbehilfeorganisation, die er sich dazu recht geschrieben hatte.
00:47:57: Es war die Bitte deines Vaters, die du dabei hattest.
00:47:59: Okay, fassen wir das nochmal zusammen.
00:48:00: Ich flüchte vom Arbeitsplatz, las alles zurück, gehe ins Exil, nehme ganz viel Briefe und Post mit, von der ich noch dachte, die muss mit Sicherheit in den kommenden Tagen mal bearbeitet oder bezahlt werden, ja, who knows.
00:48:13: Sicher ist sicher und da war dann eben auch genau dieses Pampfleet drin, was mein Vater wenige Tage vor seinem Tod zusammengeschrieben hatte, nämlich wie er sich Sterbehilfe in Deutschland vorstellen würde.
00:48:29: Ich glaube, wenn es einen Menschen gibt, der Dinge umgehen oder auch flexibel gestalten konnte, dann war es mein Vater tatsächlich, weil ich habe dann irgendwann in Spanien abends dieses Pamphley entdeckt und habe dann auch mir die Zeit genommen, mir das Ding durchzulesen.
00:48:45: Das waren, glaube ich, damals zwölf, fünfzehn Seiten oder so, handschriftlich geschrieben.
00:48:51: Und daraus ging dann einfach, das war so wie so ein Manifest, aus dem hervorging.
00:48:57: wie Sterbehilfe organisiert sein müsse, dass schwerstkranke in Deutschland schnell transparent Zugang dazu bekommen, wenn der Leidensdruck eben einfach sehr, sehr groß ist.
00:49:09: Und das war dann, ich weiß nicht, also es hat natürlich irgendwas mit mir gemacht.
00:49:15: Ich habe es erstmal nur zur Kenntnis genommen, aber nicht weiter verfolgt.
00:49:18: Ich habe dann Besuch bekommen von Freunden.
00:49:21: Die hatten dann natürlich auch irgendwo so das Bedürfnis, mich wieder mit nach Hause zu nehmen.
00:49:24: Die haben dann auch irgendwann gefragt, sodass immer Max mal wieder nach Hause kommt.
00:49:27: Du kannst jetzt hier nicht wie bei Castaway ewig unterwegs sein.
00:49:29: Du musst doch mal wieder nach Hause an deine alte Wirkungsstätte.
00:49:32: Und für mich war aber klar, ich gehe nicht mehr zurück ins Bestattungshaus.
00:49:35: Also für mich war in Spanien relativ schnell klar, wenn ich zurückgehe nach Deutschland, werde ich nicht mehr ins Bestattungshaus zurückkehren.
00:49:42: Da möchte ich nicht hin.
00:49:43: Ich hatte natürlich auch Angst, dass ich dann wieder zurückfalle in dieses Loch, in dem ich da war, bevor ich abgereist war, ins Exil.
00:49:49: Und dann fragte mich einer der Kumpels, was hast du denn noch für Möglichkeit?
00:49:57: Was hast du denn vor?
00:49:57: Oder gibt es irgendetwas anderes, was dir vorschwebt?
00:50:02: Und dann sagte einer meiner Freunde, das war nicht mal ich selber, sagte dann, wieso greifst du nicht, den Gedanken deines Vaters auf eine Sterbehilfeorganisation zu gründen?
00:50:15: Ich hatte zu dem Zeitpunkt in meiner Eigenschaft als Bestattungsunternehmer zwar ein gewaltiges Netzwerk, ich meine, das haben wir heute immer noch, aber eine Sterbel vor Organisationen zu gründen, das kam für mich erstmal, also es erschien mir einfach nicht realistisch.
00:50:29: Ja, weil es schien ja auch, als ist da so viel dahinter, was man eben beachten muss.
00:50:34: Und man hat ja keine Erfahrung.
00:50:35: Also du warst auf der anderen Seite, du hast die Erfahrung als Angehöriger mitgemacht, aber man wusste ja auch, okay, die Vereine kommen ja teilweise aus der Schweiz rüber, da haben die ja auch schon seit vielen Jahren jahrzehnten Erfahrungen.
00:50:46: Und wie soll das überhaupt gegründet werden?
00:50:48: Es gab ja zu der Zeit auch kein Chatchi-Bt.
00:50:50: Das muss man ja auch dazu sagen.
00:50:51: Also du konntest ja nicht mal eben die KI fragen.
00:50:53: So nach dem Motto, keine Ahnung, wie gründlich eine Sterbehilfeorganisation in drei Steps.
00:50:58: Das ging ja nicht.
00:51:01: Ich weiß, ich hab damals diesen Gedanken aufgenommen.
00:51:04: Am Pool irgendwo, als er mir das sagte.
00:51:06: Und einer meiner Kumpels.
00:51:08: Und ich hab abends, bevor ich ins Bett gegangen bin, also man muss dazusagen, das war auch schon früher so, ich trinke kein Alkohol.
00:51:17: Also gar nicht.
00:51:19: Hab ich gar keinen Bedarf.
00:51:22: Und während anderer Abends dann gerne mal ein Picheln, bin ich dann gern produktiv.
00:51:26: Also nutzte ich die Abendszeit, in der meine Freunde sich da eben voll laufen ließen im Urlaub.
00:51:31: Sie waren ja im Urlaub, ich war ja meinem Exil quasi auf meinem Leuchtturm.
00:51:35: wie eins Napoleon und habe mit einem befreundeten Rechtsanwalt damals Kontakt gehabt per E-Mail und habe ihn dann eben gefragt, ob er sich, ob er das für realistischer achtet, eine Sterbel für Organisation auf deutschem Boden zu gründen, weil es ja gerade erst seit zwei Jahren legal ist, wie sind die rechtlichen Grundlagen aus und so weiter.
00:51:55: Und der hatte mir dann am nächsten Tag tatsächlich schon geantwortet und er sagte oder er schrieb damals, er halte das für sehr realistisch.
00:52:02: und eben schrieb er auch davon, welche grundrechtlichen Aspekte gegeben sein müssten und welche, welche, welche ja, Gegebenheiten eben auch aus fachärztlicher Sicht gegeben sein müssten.
00:52:18: Also, ich bekam damals im Kurzformat schon mal so ein Bild von dem ganzen Ausmaß und hatte dann eben mit diesem Pamphlet, was mein Vater hinterließ, in Kombination mit dem, was ich mit meinem befreundeten Rechtsanwalt damals schrieb, schon ungefähr eine Idee, wie sowas aussehen könnte.
00:52:35: Und
00:52:35: das ist ja auch so ein zweieinneidiges Schwert eigentlich, weil einerseits denkt man, okay, gut, man will das Ganze umsetzen, aber ich glaube, wenn der Anwalt dir geschrieben hätte, nein, das geht gar nicht, wäre für dich auch eine Last abgefallen, weil du gewusst hättest, ja, okay.
00:52:47: Das Thema kann ich bei Seite schieben, aber so hattest du ja diesen Funken, der gesagt hat, ja, es geht, das muss halt ein bisschen was eingehalten werden.
00:52:54: Und dann hat die Arbeit ja eigentlich erst angefangen.
00:52:57: Also nachdem der Anwalt gesagt hat, die und die Grundlagen, dann hat sie am Kopf bei dir weitergearbeitet und das ganze Konstrukt, wolltest du ja irgendwie in die Tat umsetzen?
00:53:08: Ja.
00:53:09: Wir waren wieder am Pool, ein Tag später quasi.
00:53:13: Wir waren wieder irgendwo auf der Liege in der Sonne gelegen und mich fragte, meine Freunde, fliegst du morgen eigentlich mit, wenn wir jetzt zurückfliegen oder bleibst du tatsächlich hier?
00:53:23: Und diese Idee, diese Sterbehilfeorganisation dann zu gründen.
00:53:28: umzusetzen, die hat mich dermaßen beflügelt.
00:53:31: Kennst du diese Szene von König der Löwen, wo Nala Simba findet im Dschungel bei Timon und Pumba und ihm dann sagt, was ist los mit dir, warum kommst du nicht wieder zurück zum Felsen?
00:53:44: Und so kam mir das vor, also ich stieg ins Flugzeug.
00:53:49: Im Flugzeug fragte mich dann eben einer meiner Freunde, was machst du jetzt, wenn wir nach Hause kommen?
00:53:53: Und dann sagt ich, ich gründe die größte Sterbehilfe-Organisation Deutschlands.
00:53:57: Und wie war die Reaktion?
00:54:00: Naja, sie waren etwas besorgt, weil sie wussten natürlich, dass ich es anpacken und durchziehen werde.
00:54:04: Das war, glaube ich, so deren größte Sorge, dass ich das auch noch ernst meine mit dem, was ich da in dem Blick gerade gesagt hatte.
00:54:11: Es war so offen.
00:54:11: Weg zum Startbahn.
00:54:14: Wir haben so, weißt du, wir waren so am Rollen und ... mich gerade entspannt zurückgelehnt und wusste, okay, wenn ich jetzt gleich deutschen Boden wieder betrete nach so langer Zeit, dann werde ich erst mal nach Hause fahren zu meiner Familie und dann werde ich mich direkt an die Arbeit machen und werde genau das umsetzen, was mein Vater sich gewünscht hatte, nämlich eine Sterbel für Organisationen zu gründen, die leicht zugänglich ist für Menschen, die es wirklich trinkt brauchen.
00:54:40: Und drei Jahre später Viele Haare auf dem Kopf weniger.
00:54:44: Also ich, du nicht.
00:54:45: Ich zum Glück nicht.
00:54:46: Gott lob nicht, nein.
00:54:47: Sitzen wir hier im Tonstudio im Herzen von Stuttgart und haben unseren Gründungsprozess abgeschlossen.
00:54:56: Wir sind auf dem Vormarsch.
00:55:00: Die Motivation hinter der Gründung von Linus, ich glaube das kann man abschließend sagen, die ist klar.
00:55:06: Wir betrachten jeden Bewerber bei uns, jede Bewerberin auch immer so ein bisschen wie ein eigenes Familienmitglied, weil natürlich auch diese persönliche Geschichte da zum Großteil dahinter steht oder hauptsächlich dahinter steht.
00:55:20: Der Anfang war steinig.
00:55:22: Der Anfang war echt steinig.
00:55:24: Es ging zwar immer vorwärts und immer bergauf, aber der Anfang war steinig, weil wir auch erst gar nicht wussten, wie wir uns organisieren wollen.
00:55:30: Linus, das muss man dazusagen, das war zunächst zu Beginn eine Plattform, die.
00:55:37: dazu diente, Menschen aufzuklären, die Sterbehilfe in Anspruch nehmen wollten und auch Menschen aufzuklären, die Sterbehilfe in Anspruch nehmen wollten, aber nicht die grundrechtlichen Aspekte erfüllen.
00:55:48: Das machen wir ja heute auch.
00:55:49: Also gerade diese Suizidprävention eben für Menschen, die einfach die grundrechtlichen Aspekte nicht erfüllen, die dann einfach mit einer Alternative zu versorgen oder weiterzuleiten.
00:56:00: Weil Sterbehilfe an sich ist ja nicht immer der einzig richtige Weg.
00:56:05: Das ist ja das, was Sterbehilfe-Kritiker uns immer ganz gerne vorwerfen.
00:56:09: Nämlich, dass wir da jeden, der sich bei uns bewirbt oder Interesse eben an diesem Thema Suizid zeigt, dann grundsätzlich auch in den Tod begleiten.
00:56:16: Das ist Blödsinn.
00:56:17: Ja,
00:56:17: das stimmt definitiv nicht, weil es ist ja auch, es gibt ja viele Wege... für einen selbst.
00:56:22: Also das ist ja auch ein Aspekt, auch in der Sterbehilfe, ein rechtlicher Aspekt, dass auch die Alternativen bekannt sind.
00:56:28: Weil der eine sagt vielleicht, okay, ich möchte Sterbehilfe für mich eine Anspruch nehmen, der andere sagt, nein, ich möchte im Hospiz sein, ich möchte da vielleicht noch ein paar Bücher vorgelesen, bekommen Musik hören.
00:56:37: Das kann ja auch ganz schön sein.
00:56:39: Wieder jemand andere sagt vielleicht, nein, ich möchte lieber zu Hause im Rahmen meiner Familie einschlafen, egal wie qualvoll das vielleicht wird.
00:56:45: Manchmal sind es ja auch religiöse Aspekte, die sagen dann, nein, Sterbehilfe ist nicht der Weg.
00:56:50: den ich glaube oder dass man vielleicht bestraft werden könnte im Nachhinein, da hat jeder für sich den eigenen Weg.
00:56:56: Also es gibt ja auch keinen richtig und keinen falsch, wenn sich jemand für den Weg der Sterbehilfe entscheidet.
00:57:03: Ich muss dazu sagen, wir haben So eine Sterbehilfeorganisation ja nicht gegründet wie jetzt ein klassisches Unternehmen.
00:57:10: also ich bin jetzt nicht hingegangen und habe ein Businessplan geschrieben in einer Excel Tabelle und habe das der Bank vorgelegt und gesagt das ist mein Businessplan und ich möchte hier Menschen begleiten.
00:57:24: in den Tod.
00:57:25: Das war ja nicht der Fall.
00:57:27: Es war ja so, wir hatten ja in unserer Eigenschaft als Bestatter, hatten wir ein riesiges Netzwerk bestehend aus Ärzten, aus Rechtsbeiständen, aus Menschen in den helfenden Berufen, gerade aus der alten und Seniorenpflege.
00:57:38: Da sind die Verbindungen ja zwischen Bestattungswesen und alten Pflege sind ja immer sehr tief und sehr engmaschig, weil man eben sehr viel miteinander zu tun hat.
00:57:46: So, das heißt, ich konnte eben aus einem Pool von Menschen zurückgreifen.
00:57:52: der Sache natürlich erst mal ziemlich aufgeschlossen gegenüberstanden und konnte den erst mal dann so meine Ideen vortragen.
00:57:59: Ich hatte dann ein, zwei Ärzte, die ich kannte aus dem privaten Umfeld, die gesagt haben, klar, könnte ich mir vorstellen, sowas zu machen.
00:58:05: Aber der Punkt war ja erst mal der, wo wollen wir überhaupt hin?
00:58:09: Also, wer wollen wir sein?
00:58:10: Das war ja erst mal die erste Kernfrage, die wir uns gestellt haben.
00:58:15: Und da war es einfach so, dass Linus, so heißt unsere Organisation, eigentlich erstmal eine Plattform war, die dazu gedient hat, dass Menschen sich austauschen und beraten werden und dann eine informierte Entscheidung für sich treffen können.
00:58:32: Das war die Dienstleistung dahinter.
00:58:35: Dass wir in dem Ausmaß Bewerber aufnehmen, vermitteln, betreuen und letzten Endes auch begleiten, das war ja nicht der Anfangs- und Ursprungsgedanke.
00:58:46: Das kam ja dann erst mit der Nachfrage und die schoss durch die Decke, als wir dann irgendwann im Jahr vierundzwanzig dann unsere Pforten öffneten und dann eben auch bekannt wurden, wir hatten dann eine Homepage, wir hatten dann so die ersten Broschüren und so weiter und wir wurden dann in den sozialen Medien und auch in Hausarztpraxen immer bekannter und das Telefon stand einfach nicht mehr still.
00:59:11: Wir haben ja einen grundlegenden Fehler gemacht, also das muss man schon sagen, nämlich die Telefonnummer, die war ja auf deine private Handynummer geschalten.
00:59:17: Das war erstmal dieser grundlegende Fehler, weil ... Ich sage mal, wer auch in Not ist, Tag und Nacht spielt da keine Rolle und da kann man auch gerne vier, fünf Mal um drei Uhr nachts anrufen.
00:59:27: Ich weiß noch, nach dem Wochenende, das war ja Freitags, wo die Homepage online ging, nach dem Wochenende war es einfach durch kaum Schlaf, viele Anrufe.
00:59:34: Und man wusste gar nicht so richtig, weil man will ja aufklären, aber die haben ja allange gerufen und gesagt, hilf mir, ich brauche einen Termin.
00:59:40: Und wir waren ja noch gar nicht an dem Punkt da am Anfang.
00:59:43: Als wir wollten ja aufklären erstmal Informationsabende machen, an Volkshochschulen gehen, an Universitäten, das war ja erstmal unser grundlegendes Ziel.
00:59:53: Also was noch hinzukam, war die Tatsache, ich habe ja in meiner Eigenschaft als Bestattungsunternehmer eben passive Einnahmen gehabt.
00:59:59: Das heißt, ich habe zwar nicht im Bestattungshaus mehr gearbeitet zu dem Zeitpunkt, aber die Einnahmen in dem Bestattungshaus kamen mir ja trotzdem zugute.
01:00:06: Und das kann man so ein bisschen als passives Einkommen ja bezeichnen.
01:00:13: Du hast den Laden im Bestattungshaus ja auch gut im Griff gehabt, die Mitarbeiter haben gut mitgearbeitet, da bin ich unendlich dankbar für im Nachgang.
01:00:20: Und
01:00:22: ich musste mit unserer Sterbehilfeorganisation, die wir gerade frisch gegründet hatten mit Linus, kein Geld verdienen.
01:00:29: Insofern haben wir meine private Handy-Nummer genommen, haben sie dort veröffentlicht und ich wollte für Angehörige da sein, wollte den Angehörigen mitteilen, wie wir das erlebt haben, was sie machen können, welche grundrechtlichen Aspekte gegeben sein sollten.
01:00:43: Wir waren ja zu dem Zeitpunkt noch keine professionelle Sterbehilfeorganisation mit ethischen rechtlichen Rahmenbedingungen, die in irgendeiner Form erfüllt gewesen wären, sondern wir waren einfach eine Beratungsplattform.
01:00:54: Und da konnten sich Menschen melden, wann auch immer sie wollten, nur dass sie das natürlich nach zum halb zwei tun.
01:00:58: Das war mir jetzt vielleicht jetzt zu dem Zeitpunkt noch nicht ganz so bekannt oder bewusst besser gesagt.
01:01:04: Und so war es dann eben auch so, dass wir dann einfach auch eine Infrastruktur gebildet hatten.
01:01:12: dieser anfänglichen Nachfrage-Explosion.
01:01:16: Ich habe dich dann kontaktiert im Bestattungshaus, so nach den ersten drei, vier Wochen, nach dem Linus das erste Mal online ging und habe gefragt, Julia, hast du Lust?
01:01:26: die Seiten zu wechseln.
01:01:27: Möchtest du aus dem Bestattungswesen raus?
01:01:29: Möchtest du zu mir in die Sterbehilfe kommen?
01:01:30: Wir haben zu dem Zeitpunkt schon sehr vertrauensvoll viele Jahre zusammengearbeitet.
01:01:34: Und mir war klar, wenn das jetzt hier immer größer wird und wir jetzt hier auch ein System finden müssen, dann wollte ich dich ganz gerne an meiner Seite haben.
01:01:41: Wie war damals so dein Empfinden?
01:01:45: Weil du bist ja mit dem Gedanken und mit der Frage dann noch erst mal schwanger gegangen.
01:01:49: Ja, also für mich an sich war es eigentlich gar keine große Frage.
01:01:52: Für mich war sofort klar, ich meine, wir haben es ja bei deinem Papa erlebt, wir haben es bei dem Fall, den wir damals betreut hatten, miterlebt.
01:01:59: Also es war gar keine Frage, dass ich mithelfe.
01:02:01: Für mich war es eher so, bekomme ich das irgendwie unter einen Hut, was ist mit meinem Bestattungswesen, in dem ich arbeite?
01:02:08: Weil es ist beides eine Vollzeitaufgabe, beides ist nicht ein Beruf, beides ist eine Art Berufung.
01:02:15: Und ... Man kann aber nicht beides ausführen, also man kann schlecht Bestattern sein und gleichzeitig Sterbehilfe betreiben.
01:02:22: Nicht wegen dem Zeitlichen, sondern auch einfach, weil das sind, haben zwar beides mit dem Tod zu tun, aber es sind zwei trotzdem so unterschiedliche Aspekte.
01:02:30: Bei dem einen hilft man vorher, bei dem anderen danach.
01:02:33: Also für mich war eher so die Frage, okay, bin ich bereit, auch das Bestattungswesen dafür... eher aufzugeben und zu wechseln.
01:02:41: Das war eher der Gedanke, der mich dann so ein bisschen Überlegungszeit gekostet hat.
01:02:46: Aber dass ich mithelfen will an sich, das war keine Frage.
01:02:50: Und dann habe ich ja auch dich angerufen und gesagt, klar, ich bin dabei, mache ich.
01:02:53: Ich wusste zwar noch nicht, was genau ich machen soll und wie ich helfen kann, aber für mich war es, wie gesagt, keine Frage, dass ich das mache.
01:02:59: Und nach und nach hat sich dann eben auch mein ... meine Befürchtung am Anfang auch rausgestellt.
01:03:04: Ich gemerkt habe, okay, als Bestattungswesen und Sterbehilfe kriege ich einfach nicht unter einen Hut und habe mich dann auch entschieden, okay, ich gehe in die Sterbehilfe rein.
01:03:13: Ich gründe mit, ich helfe mit.
01:03:16: Aber das war eher dieser Zwiespalt.
01:03:18: Was von beiden möchte ich machen?
01:03:20: Diese Zustimmung in der Bevölkerung war sicherlich auch ein entscheidender Faktor, weil wir hätten Linus niemals so weit gebracht, wenn die Befürwortung innerhalb der Gesellschaft nicht so groß gewesen wäre für das Thema Sterbehilfe.
01:03:33: Wir wissen, dass die Masse der Menschen, die von Sterbehilfe wissen, das erstmal grundsätzlich für eine gute Sache halten, wenn jemand in der Lage ist, sein Leben selbstbestimmt zu beenden.
01:03:43: Man muss natürlich auch immer schauen, berechtigterweise, wen muss man schützen.
01:03:48: Also gerade diese vulnerablen Gruppen, wir werden in der nächsten Folge da näher drauf eingehen, auch deutlich spezifischer werden, wenn wir ein unserer Ärzte zu Gast haben werden hier im Studio.
01:04:01: Aber nochmal zurück zur Gründung von Linus und auch von den ersten Gehversuchen.
01:04:06: Es waren sehr viele Anfragen, es waren sehr, sehr viele ältere Menschen, die gesagt haben, ich habe Krankheit X und Krankheit Y, ich möchte nicht mehr, ich kann nicht mehr.
01:04:16: Wir wurden quasi förmlich überrannt von dieser Nachfrage.
01:04:20: Und das hat uns relativ schnell auch in die Situation versetzt, Strukturen zu schaffen, Strukturen schaffen zu müssen, die in der Lage sind, diese Nachfrage gezielt zu lenken und auch zu betreuen, zu verwalten.
01:04:38: Ein individuelles Schicksal hinter jedem einzelnen Anruf steckt, was entweder Verzweiflung oder Wohlüberlegtheit oder Interesse, Neugier.
01:04:45: Also warum jemand anruft, kann unterschiedlich sein, aber jeder hat ja ein Bedürfnis.
01:04:49: Und wir sind ja auch so Menschen, die sagen, wir wollen Bedürfnis auch irgendwie dem gerecht werden.
01:04:53: Deswegen musste ja die Struktur hin, weil ohne Struktur kann man niemandem gerecht werden, auch uns nicht.
01:04:58: Und es bringt nichts, wenn man Anrufer hat, dem man nicht helfen kann und wir am Ende auch da sitzen und selbst nicht mehr helfen können.
01:05:05: Also, man muss ja dazusagen, Sterbehilfe hat ja ganz klare rechtliche Grundlagen, die das Ganze begleiten.
01:05:12: Und es ist eben so, es kann jetzt nicht einfach jeder mal eben sagen, ich möchte einen Arzt haben, der mir hier beim Sterben hilft.
01:05:24: Du musst einfach bestimmte grundrechtliche Voraussetzungen mitbringen, wie die genau aussehen und wie der Zugang zu Sterbehilfe ist.
01:05:32: in der nächsten Folge klären, aber ich sage mal so jetzt abschließend mit den letzten Sätzen, wir hatten eben einfach das große Problem, dass wir neben den rechtlichen Grundlagen, die für die Durchführung von Sterbehilfe gegeben sein müssen, ganz schnell gemerkt haben, du brauchst einen ethischen und moralischen Rahmen und du brauchst einen ethischen und moralischen Kompass.
01:05:57: Du kannst nicht jeden Bewerber oder jede Bewerberin einfach in den Tod begleiten.
01:06:02: Das wäre verantwortungslos, das wäre nicht richtig.
01:06:05: Und was uns auch klar war, ist, wir mussten uns vom Bestattungswesen trennen, weil dieses Geschmäckle, da ist jetzt Sterbehilfeorganisation und Bestattungshaus auf der einen Seite und auf der anderen Seite, die schieben sich da gegenseitig die Fälle zu, das ging nicht.
01:06:20: Das wird uns zwar immer wieder von, sagen wir mal, selbst an andern Investigativ-Journalisten irgendwo aus dem grauen Halbfeld vorgeworfen.
01:06:28: Dass das Blödsinn ist, ist eine Sache.
01:06:29: Aber auf der anderen Seite war für uns auch klar, wir müssen das letzten Endes nochmal irgendwie so ein bisschen besser auf die Kette bekommen und das Ganze trennen.
01:06:39: Für uns ist Status quo aktuell der, dass wir zum Ende des Jahres aus dem Bestattungshaus auch in der Administration ausscheiden.
01:06:48: Wir werden uns dann... vollständig nur noch auf Linus konzentrieren.
01:06:51: Bis dato sind wir noch in so einem Art Übergangsprozess.
01:06:55: Und dann schauen wir mal, wo uns die Reise in den nächsten Jahren hinführt.
01:07:03: Fürs erste ist es so, wir werden jetzt noch ein paar Folgen in den nächsten Wochen, Monaten drehen.
01:07:12: Zu meiner letzte Frage.
01:07:13: Wir werden tolle Gäste haben.
01:07:14: Wir werden und was ich noch viel besser finde, auch Sterbhilfe-Kritiker haben.
01:07:18: Der ist auch wichtig, alle Seiten zu hören.
01:07:20: Das ist nämlich genau der Punkt.
01:07:22: Der entscheidende Punkt bei diesem Podcast ist nämlich nicht Werbung für Sterbehilfe zu machen, sondern Menschen mit auf die Reise zu nehmen.
01:07:27: Erstens mal A, hinter die verschlossenen Türen einer Sterbehilfeorganisation.
01:07:32: Wir werden darüber hinaus in den nächsten Wochen und Monaten mit anderen Gästen zusammen debattieren, diskutieren, Meinungen austauschen.
01:07:42: Vielleicht streiten wir uns auch mal.
01:07:43: Es wird mit Sicherheit auch ganz interessant werden.
01:07:46: Und dann ... Hoffe ich, dass euch unser Podcast zumindest mal unsere Pilotfolge von meiner letzte Frage gefallen hat.
01:07:57: Wenn ihr Fragen habt, wenn ihr Anmerkungen habt, Kritik habt oder sonstige Sorgen und Nöte, dann schreibt es uns gerne entweder über unseren Social Media Kanal auf Instagram oder gerne auch auf der jeweiligen Podcast Anwendung, mit der ihr uns gerade hört.
01:08:15: Dann sind wir jetzt am Ende.
01:08:17: unserer ersten Pilotfolge.
01:08:19: Und wir hoffen, es hat euch gefallen.
01:08:22: Es
01:08:22: ging für meine Begriffe doch jetzt recht reibungslos über die Bühne.
01:08:26: Und wir wünschen euch jetzt erst mal einen schönen Tag, eine schöne Restwoche und hören uns dann in vierzehn Tagen wieder.
01:08:34: Macht's gut.
01:08:35: Bis dahin.
01:08:38: Sterbehilfe heißt diskutiert, oft verschwiegen.
01:08:42: Wir reden drüber, ohne Floskeln und ohne Filter.
01:08:46: Das ist meine letzte Frage.
Neuer Kommentar