Als sie gingen - ein Sohn erzählt

Shownotes

Wie fühlt es sich an, beide Elternteile innerhalb weniger Monate zu verlieren — und sie gleichzeitig bis zum letzten Moment begleiten zu dürfen?
In dieser Folge von „Meine letzte Frage“ spricht Dustin mit einem Sohn, dessen Vater zuerst gegangen ist. Einige Monate später traf seine Mutter dieselbe Entscheidung.
Er erzählt von den letzten Gesprächen, von Angst, Nähe, Überforderung und dem Moment danach. Aber auch davon, wie sich Abschied verändert, wenn Menschen selbstbestimmt gehen können.
Eine sehr persönliche Folge über Familie, Verlust, Liebe und die Perspektive derjenigen, die zurückbleiben.
Nicht theoretisch. Nicht politisch, sondern ehrlich, ruhig und menschlich.

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00:00:01: Das ist meine letzte Frage.

00:00:04: Sterbehilfe heißt diskutiert

00:00:06: oft verschwiegen,

00:00:07: wir reden drüber.

00:00:16: Herzlich willkommen in unserer neuen Heimat hier in Stuttgart-Ost!

00:00:21: Es ist heute Premiere weil wir die erste Podcastfolge abdrehen an unserem neuen Büro.

00:00:27: Wir waren sehr stiefmütterlich unterwegs.

00:00:29: ich gebe es zu wir haben einige Monate nichts von uns hören lassen bedingt durch den Umzug.

00:00:33: Aber wir haben uns natürlich wieder Gedanken gemacht, wie können wir das ganze Thema wieder beleben?

00:00:37: Und vor allem haben wir uns Gedanken gemacht darüber dass wir selbstverständlich wieder alle vierzehn Tage ausstrahlen werden.

00:00:44: Dafür haben wir heute auch gleich unseren ersten Gast, einen ganz tollen Gast wie ich finde weil wir in den letzten Folgen seit Gründung unseres Podcasts noch keinen Angehörigen dabei hatten.

00:00:57: Das heißt wir haben viel über die politische Diskussion in Deutschland gesprochen und wir haben viele über medizinische Zusammenhänge gesprochen.

00:01:04: Wir hatten verschiedene Gäste zu Gast.

00:01:05: Wir waren auch bei vielen prominenten Gästen schon zu Gast aber Angehöhre hatten wir eben noch keine dabei.

00:01:14: Und als wir auf die Suche gingen nach passenden Angehörigen, die schon mal von Linus betreut wurden war es nicht ganz leicht.

00:01:24: Denn die meisten wollten eben nicht vor die Kamera oder vor das Mikrofon.

00:01:27: deswegen freue ich mich umso mehr über unseren heutigen Gast.

00:01:31: unser heutiger Gast hat bereits beide Eltern gehen lassen müssen.

00:01:37: schrägstrich dürfen mit einem ärztlich assistierten Suizid.

00:01:43: Ich freue mich sehr, dass du heute da bist, lieber Andreas!

00:01:45: Danke

00:01:48: Es war tatsächlich so als wir jetzt nach Finalisierung unseres Umzugs unterhalten haben wie wir weitermachen wollen mit dem Redaktionsplan bis zum Ende des Jahres.

00:01:58: Da haben wir eben uns schon auch ein Stück weit Gedanken gemacht wen wir noch zu Wort kommen lassen wollen und da war es uns eben sehr wichtig das wir weiterhin auf reale Meinungen großen Wert legen.

00:02:11: Dementsprechend war es so, dass wir uns dann relativ schnell dafür entschieden hatten einen Angehörigen zu Wort kommen zu lassen oder eben Angehöhige zur Wortkommen zu lassen.

00:02:21: Jetzt ist es allerdings so viele verarbeiten diesen Verlust wenn dann jemand in der Familie geht auf ganz unterschiedliche Art und Weise.

00:02:28: Viele können sich vorstellen an so einem Podcastformat teilzuhaben.

00:02:32: Viele sagen um Gottes Willen los nicht.

00:02:34: ich möchte das nicht muss meine Trauer anders verarbeiten oder für mich persönlich verarbeiten.

00:02:38: Bei dir war es eben so, du hattest dich relativ schnell dazu bereit erklärt und darüber hinaus war es so dass unsere Referentin für Öffentlichkeitsarbeit dann auch die Aufgabe hatte mal in unserer Datenbank zu recherchieren welche Angehörigen in Frage kommen.

00:02:51: Und wir dann eben einfach auch diese Besonderheit hatten bei dir, dass du gleich beide Eltern über einen ärztlich assistierten Suizid hast gehen lassen dürfen müssen.

00:03:01: Ob welches Wort jetzt genau passt?

00:03:03: Wir haben es gleich besprechen.

00:03:05: Magst du dich vielleicht einfach mal kurz vorstellen oder vielleicht eure familiäre Situation vorstellen noch vor der Bewerbung damit unsere Zuhörer und Zuschauer einfach kurzen Einblick bekommen wie wir uns die Familie vorstellen dürfen?

00:03:16: Ja

00:03:16: gern!

00:03:17: Also ich bin fifty-six, habe einen Bruder, ein Zwillingsbruder.

00:03:22: Meine Eltern haben zwanzig Jahre lang in Kanada gelebt nachdem mein Vater, der hat für höchst gearbeitet früher und hatte das Glück frühzeitig im Urstand gehen zu dürfen.

00:03:30: dann sind die relativ schnell nach Kanada ab und sind nach dreinzwanzig Jahren auf so ein bisschen meinen Rat hin nach Deutschland zurückgekehrt weil es dann eben schwierig wurde.

00:03:39: Die wohnten soweit auf dem Land.

00:03:40: da war's mit der medizinischen Versorgung auch nicht so gut.

00:03:42: Mein Bruder lebt auch in Kanada, in Vancouver ist auch Kanada mittlerweile.

00:03:46: Genau mein Eltern kam dann eben zurück.

00:03:47: da war mein Vater schon über achtzig.

00:03:49: Die haben sich ein bisschen schwer getan mit dem Zurückkehren, weil das Kanada war für sie so das Highlight im Leben.

00:03:55: Da hatten Sie ein eigenes Haus sich gekauft und so weiter.

00:03:57: Das war mitten in der Natur – das hat Ihnen noch mich gut gefallen!

00:04:00: Und es wirkte so ein bisschen zumindest von meinem Vater wie eine Niederlage, dass er wieder eben nach Hause zurückgekommen ist, weil meine Mutter auch unbedingt dahin wollte wo wir aufgewachsen sind, also im Speckgürtel von Frankfurt.

00:04:11: Genau ansonsten... So familiären Situation, meine Eltern das finde ich ganz relevant weil du es gerade eben auch angesprochen hast wie dass Leute verarbeiten.

00:04:22: Meine Eltern gehörten zur sogenannten Kriegskindergeneration.

00:04:25: Ich weiß nicht ob ihr den Ausdruck schon mal gehört habt genau und das ist eben was man bei meinen Eltern denke ich bei beiden gemerkt hat.

00:04:31: also ich würde sagen sie waren beide traumatisiert auf eine gewisse Art und Weise.

00:04:34: Meine Mutter hat ihren Vater sehr früh verloren aber er war erst drei Monate alt.

00:04:38: mein Vater der hat die.

00:04:40: Dann haben sich die Eltern getrennt und er ist alle mit seiner Mutter aufgewachsen, die da über diese Trennung in der Familiengeschichte nicht hinweggekommen ist.

00:04:47: Er hat also auch keine besonders schöne Kindheit gehabt.

00:04:49: Und deswegen würde ich immer sagen sind es wahrscheinlich nicht repräsentativ für die normale Familienanführungszeichen weil sie eben schon so ein paar merkwürdige Verhaltensweisen hatten möchte ich mal sagen und wir jetzt auch nicht zu dieses klassische enge Familienleben hatten.

00:05:02: Also meine Eltern hatten jetzt überhaupt kein Problem was prinzipiell in Ordnung ist nach Kanada zu gehen.

00:05:07: aber sie kamen auch einmal nur im Jahr zurück und haben dann so checklistmäßig ihre Besuche abgehakt.

00:05:12: Und wir waren immer die letzten, die angerufen worden sind, meine Frau nicht.

00:05:15: Dann haben wir zusammen Abend gegessen, dann ist es wieder abgegangen.

00:05:17: Wir hatten über dreinzwanzig Jahre nur eine sehr distanzierte Beziehung.

00:05:22: Das habe ich erst in den letzten fünf Jahren wieder ein bisschen vertiefen können.

00:05:25: Okay.

00:05:27: Springen wir mal weit nach vorne?

00:05:29: Weil wir nicht ganz so viel Zeit heute haben... Jetzt war es ja so, wenn ich das richtig verstehe.

00:05:35: Die beiden waren relativ autonom autark und auch selbstständig im Hinblick darauf.

00:05:39: Ich meine, wenn du drei Jahre in Kanada lebst dann bist du einiges gewohnt.

00:05:43: Wenn's darum geht dir selbst zu helfen.

00:05:46: wir sehen ganz oft bei sterbewilligen Menschen in Deutschland durch alle Kategorien durch eine gewisse Autonomie und eine gewissen Selbstständigkeit War ist dann auch so dieser Typus Mensch diese die beiden wo du sagst Was anderes wäre gar nicht in Frage gekommen, als ein selbstbestimmtes Lebensende auch im Hinblick auf ihren gesamten Werdegang.

00:06:08: Wenn du zurückblicken, trefft ihr es zurückschaust?

00:06:12: Das zeichnete sich eigentlich schon relativ früh ab.

00:06:14: Meine Mutter hat schon vor Jahrzehnten gesagt, allerdings war das eher so dahin gesagt, dass wenn sie nicht mehr kann oder nicht mehr will... Da ist noch davon ausgegangen, dass er zu dem Zeit noch in Kanada lebt, dass irgendwann im Winter bei minus dreißig Grad mit einer Flasche Sektion meinem Vater runter an den Fluss geht.

00:06:27: Noch einen dringt sich dann hinsetzt und halt watter sehr erfriert.

00:06:30: Aber das war eben aus so ein bisschen naiv dahergesagt.

00:06:33: Dass sie das machen wollen, waren nicht überraschend.

00:06:38: Allerdings sagen wir autonom selbst hätten sie es nicht hinbekommen.

00:06:43: Also, wenn ich jetzt nicht da gewesen wäre und hätte auch gerade das jetzt mit Linus angeleiert ... Du hast vielleicht was in Erinnerung aus der Patientenakte meiner Eltern haben relativ kurz nachdem nach Deutschland zurückgekommen sind, selbst ein Versuch unternommen mit Schlafmitteln und anderen merkwürdigen Mitteln.

00:06:57: Das hat halt nicht funktioniert.

00:06:59: Da hat man auch gemerkt, Sie sind eigentlich mit der ganzen Situation überfordert.

00:07:02: Sie wüssten gar nicht wie das geht.

00:07:03: Aber diese Überforderungen kam ja offensichtlich schon bevor Sie Schlafmittel eingenommen haben?

00:07:08: Im Hinblick auf, dass sie die Entscheidung dann getroffen haben.

00:07:10: Genau!

00:07:10: Also diese Wunsch ein Suizid zu begehen gemeinsam... Wie weit waren die beiden auseinander alterstechnisch?

00:07:16: Drei Jahre Und diesen Wunscht in einem hohen Alter ein Suizi zu begen Der kommt ja nicht von ungefähr, also der muss ja irgendwo ein Boden gewesen

00:07:24: sein.

00:07:24: Genau auch das war eben bei meinen Eltern irgendwie besonders.

00:07:27: Also mein Vater ist Mitte zwanzig-einundzwanzig mit Polyneuropathie, die passifiziert worden und hatte das Unglück in Anführungszeichen dass eine Sprechstundenhilfe bei den Neurologen ihm das sehr rabiat beigebracht hat gesagt wenn es erst am Stock gehen und dann in meinem Rollstuhl setzen.

00:07:42: Und das hat meinen Vater, ich will nicht sagen direkt in die Depression geworfen aber es hat ihn doch ziemlich mitgenommen.

00:07:48: Und meine Eltern haben sich bis zum Tod meines Vaters darüber gestritten wer damals die Initiative für diesen Websterdungsversuch ergriffen hatte.

00:07:54: und ich glaube es war so dass mein Vater dahin gesagt hat wenn das so ist dann will ich nicht mehr leben und meine Mutter war so gestrickt man sowas gesagt hat und wir hatten Schalter umgelegt Dann hat der Zug quasi den Bahnhof verlassen und dann war er auch nicht mehr zu stoppen.

00:08:05: Und meine Mutter hat innerhalb von zwei Wochen, meine Frau und ich waren im Urlaub, das Haus komplett leer geräumt.

00:08:10: Also als ich die gefunden habe... Ich hab's dann gefunden, als wir aus dem Urlaub zurück kamen.

00:08:14: Da hatten sie außer den Klamotten, die sie am Leib getragen haben nichts mehr zum Anziehen.

00:08:18: Es war alles beim Roten Kreuz.

00:08:19: Als Sie den ersten Suizidversuch gestartet hatten damals mit Tabletten?

00:08:23: Ganz genau!

00:08:23: Ja, Stück und so weiter alles weg.

00:08:25: also auch das war jetzt nicht richtig geplant.

00:08:27: Das war eher eine Artockgeschichte.

00:08:29: und wie gesagt eben Da denkt man immer, warum haben Sie mich nicht gefragt?

00:08:32: Also ich war ja vor Ort und ich hätte Ihnen da gleich helfen können.

00:08:36: Aber meine Eltern waren immer so gestrickt sie machen alles alleine also sie...

00:08:40: Also die typische Nachkriegsgeneration im Wesentlichen?

00:08:43: So ein bisschen schon ja auch eben Kopf runter Augen zu durch und auch beide sehr Konfliktunfähig.

00:08:49: Also auf unterschiedliche Art und Weise zwar, aber meine Eltern haben gerade auch meine Mutter dadurch gelöst, dass sie den Konflikte dadurch gelösst, dass die einen Konflekt ignoriert haben.

00:08:57: also wenn meine Mutter irgendwas auf irgendetwas gestoßen ist was ihr im Problem gemacht hat dann hat sich umgedreht und ist die andere Richtung weggegangen.

00:09:03: Auf meiner Frage nach ob sie Probleme oder Schwächen hat so beides verneint und das ist eigentlich eine Steilvorlage für jeden Psychologen oder Therapeuten weil da stimmt ja irgendwas nicht und deswegen meine Eltern waren einfach Special People würde ich sagen

00:09:15: okay also wir halten jetzt noch mal fest Deine Eltern waren drei zwanzig Jahre in Kanada, wo einfach eine gewisse grundlegende Autonomie schon alleine zum Überleben notwendig ist.

00:09:27: Ja deine Eltern kommen zurück gehen in den Ruhestand Da

00:09:33: waren wir schon im Hochstand, sind dann eigentlich zurückgegangen.

00:09:35: Weil sie wussten alleine schaffen es nicht mehr in Kanada.

00:09:38: Das war die letzte Station eigentlich.

00:09:40: Ja ich höre das von vielen Auslands... wie sagt man denn?

00:09:43: Auswanderer.

00:09:44: Ich auslächle gerade

00:09:45: sagen Auslandsdeutsch und Gottes Willen.

00:09:46: also auch von vielen Auswanderern hört man ja dass die ab einem gewissen Punkt wieder zurückwollen nach Deutschland.

00:09:55: Deswegen sind auch deutsche Bestatter im Ausland sehr erfolglosend.

00:09:59: Also viele Bestatter wollen ins Ausland, weil sie sagen ich kann dort eben deutsche Rentner oder Auswanderer bestatten irgendwann eines Tages bis Sie dann feststellen das kurz vor dem Tod oder wenn sich das Ende des Lebens nähert.

00:10:15: Viele dann einfach auch nach Deutschland zurückwahlen aus unterschiedlichen Gründen und es war ja bei den Eltern im Wesentlichen nicht anders.

00:10:22: Das heißt, es war

00:10:23: vor allem Gesundheitsversorgung.

00:10:24: In

00:10:25: Kanada zwar qualitativ nicht schlecht aber da musste auf einem MRT-Termin mit den Pächsten ja warten und nach dem Absehbar war das irgendwann.

00:10:31: meine Eltern waren Gott sei Dank beide bis zu ihrem Lebensende eigentlich recht gesund.

00:10:34: Aber es war absehber dass das eben alles nicht mehr geht, Mobilität eingeschränkt die mussten zwanzig Minuten fahren um eine Flasche Wasser zu kaufen.

00:10:40: Es geht dann halt auch irgendwann nicht mehr.

00:10:42: Ja klar.

00:10:42: Da ist natürlich hier in Deutschland die Infrastruktur einfach deutlich besser.

00:10:47: Die beiden hatten sich dann entschieden eben einen Suizid per Intoxikation, also sprich mit Tabletten sozusagen zu geben.

00:10:55: Und letzten Endes war es so, du hattest sie beide aber noch rechtzeitig gefunden?

00:11:00: Genau!

00:11:00: Also ich wusste, dass... Ich hab's versucht anzurufen.

00:11:03: Sie sind nicht rangegangen und da habe ich schon gedacht... Wo warst

00:11:05: du zu dem Zeitpunkt?

00:11:05: Als die beiden das erste Mal sich versuchten um das Leben mitzunehmen?

00:11:08: Wir

00:11:08: sind am Tag aus dem Urlaub aus Arizona zurückgekommen.

00:11:11: Und Samstagmorgen hab ich versucht die Eltern den ganzen Tag über zu erreichen.

00:11:15: Hab es auf allen Telefonnummern nicht gekriegt und dann wusste ich schon irgendwas ist da im Argen und hab dann auch Nachbar angerufen der hat auch nichts gesehen.

00:11:19: Dann haben wir gesagt komm jetzt geh ins Auto.

00:11:21: Wir wohnen eine halbe Stunde von denen weg.

00:11:22: Wir fahren dahin und gucken uns was mal an.

00:11:24: Ich hatte auch ein Schlüssel wie so.

00:11:25: Wir haben dann geklingelt und dann kam meine Mutter runter und hat schon gemerkt, da stimmt irgendetwas nicht.

00:11:29: Meine Frau hat ja relativ schnell den Abschiedsbrief auf dem Küchentisch entdeckt und so weiter.

00:11:32: Und dann war schon klar, was da läuft und dann wusste ich muss einen Krankenwagen rufen wegen Unterlassener Hilfeleistung.

00:11:38: das ganze Gedönster.

00:11:39: und dann war der Standardprozess.

00:11:41: also erstens Krankenhaus.

00:11:42: mein Vater hat es auch überlebt und gut überlebte aber er hatte etwas schwaches Herz.

00:11:47: also er braucht ja das länger im Krankenhaus, dann die Psychiatrie und dann wieder heim.

00:11:51: Das war für meinen Vater eben auch so schlimm dass er gesagt hat, das macht er nie wieder auf den atmen weil sie hat nie ausgeschlossen dass nicht nochmal probieren will Zu dem Zeitpunkt dann nicht.

00:11:59: Und das hat auch noch mal eben vier Jahre gedauert, bis er es nochmal gemacht hat und dann nur aus einer akuten Krisensituation, Oberschenkelhalsbruch, Krankenhaus usw.

00:12:08: heraus.

00:12:09: Aber er hat gesagt, dass Wille auf keinen Fall mehr.

00:12:11: Das war ihm alles zu stressig!

00:12:14: Die Angst, dass der Suizid nicht gelingt ist im Übrigen auch eine der häufigsten Gründe weshalb sich Menschen bei Linus bewerben?

00:12:20: weil die tatsächlich Angst davor haben, dass ich will das jetzt nicht alles aufzählen.

00:12:24: Das müssen wir auch nicht, aber viele haben eben einfach Angst, dass sie scheitern zu Recht.

00:12:28: Wir wissen aus der Forschung, dass die meisten Suizidversuche eben scheittern.

00:12:32: Ich glaube es sind weit über siebzehne oder achtzig Prozent und deswegen gab es damals auch am sechsenzwanzigsten Februar zwanzig zwanzich als dieses Urteil gefallen ist, dass sich eben straffrei ärztliche Hilfe finden lässt.

00:12:46: für einen Assistierten Suizid gab es ja auch ein großes Aufaden bei vielen, weil sie gesagt haben um Gottes Willen ich muss mir jetzt nicht gewaltsam das Leben

00:12:52: nehmen

00:12:52: und man stelle sich vor ihr werdet nach Hause gekommen die beiden werden tot gewesen ohne sich abzumelden.

00:12:57: Das ist ja auch etwas was die ganze Familie in einen riesigen Schlucht reißt, dieses Unvorangemeldete.

00:13:06: Und wir wissen auch von vielen Kriminalbeamten die mit uns arbeiten weil jeder ärztlich assistierte Suizid muss ja von der Krepe untersucht werden vor Ort.

00:13:14: da werden wir gleich nochmal drüber sprechen wie das bei euch war.

00:13:17: Wir wissen, dass viele einfach auch sagen lieber nehme ich den Fall hier in Anwesenheit der Angehörigen auf als dass sich morgens um fünf oder um sechs eine Todesnachricht überbringen muss an Kinder, an Eltern, an Geschwister, an wen noch immer, dass da jemand gestorben ist weil es diesen Beamten ja oftmals nicht leicht fährt so was überhaupt mitzuteilen und wenn die geschult sind.

00:13:37: aber das Thema sich von der Welt verabschieden zu wollen, habe ich gerade rausgehört.

00:13:42: War trotz des gescheiterten Versuches ja für die beiden nicht wirklich abgehakt?

00:13:45: Also dieser Wunsch, dieser Wille dann eben von der großen Bühne abtreten zu dürfen mit wie alt waren die beiden jetzt?

00:13:50: zum Schluss?

00:13:51: Die Mutter war in der Vater in den Vaters VIII.

00:13:53: Also dieser wunsch mit VIII und VIII sozusagen von der Bühnen abtreten zu wollen... Der war trotzdem immer noch existent.

00:14:01: Absolut!

00:14:02: Und wie muss man sich das dann vorstellen?

00:14:05: Heißt es abends am Abendrutz zwischen Junior, schau mal nach einer Sterbehilfeorganisation.

00:14:09: oder war es andersrum, dass die beiden dich konfrontiert haben mit der Stärbehilfereorganisation, die sie gefunden haben.

00:14:13: Nein also dazu werden Sie gar nicht in der Lage gewesen.

00:14:16: Es war so, dass nach diesem ersten Versuch das Thema erst mal ein Akta gelegt hat und dann würde ich sagen waren sie wieder so gerade mein Vater auf Plus minus Null.

00:14:24: Die kamen in die Psychiatrie wahrscheinlich dann?

00:14:26: Ja genau!

00:14:27: Mein Vater war ein Ticken länger da weil gesagt hat, er hatte eine leichte Depression.

00:14:30: Aber nichts was jetzt also gerechtfertigt hätte, dass sie länger da wäre.

00:14:33: Genau dann sind die wieder heimgekommen und da mussten wir halt alles neu kaufen weil das war nix mehr da und so weiter.

00:14:39: Und genau dann in den nächsten vier Jahren ist eigentlich nicht mehr groß drüber gesprochen worden.

00:14:44: Also das kam erst... Vier Jahre

00:14:46: ging es noch?

00:14:46: Genau,

00:14:47: genau!

00:14:47: Das kam dann erst.

00:14:49: Die Situation meines Fahrers hat sich verschlechtert zu ein bisschen gesundheitlichen Probleme über Gang-Unsicherheit, Mobilitätseinschränkung.

00:14:56: Aber was es dann wirklich wieder ausgelöst hat, war die Krise, dass er in einem Urlaub gestürzt ist.

00:15:01: Hat sich den Oberschenkelhals gebrochen und war im Krankenhaus in der Rehe.

00:15:05: Das hat alles zwei Monate gedauert.

00:15:06: Und das hat ihn so mitgenommen... Also dann rauskam, da habe ich ihn abgeholt.

00:15:10: Er hat schon dem Auto zu mir gesagt, Andi, du musst mir irgendwie helfen.

00:15:13: Kümmer dich darum, dass du da etwas findest.

00:15:16: Dass wir das über die Bühne kriegen.

00:15:19: Wir hatten ursprünglich mein Bruder und ich.

00:15:20: schon nach dem ersten Mal, weil wir wussten meine Eltern werden's bestimmt wieder machen wollen Hatten wir uns damals informiert.

00:15:27: Das war eben noch kurz nach dem Urteil, da gab es euch auch noch nicht.

00:15:31: Da gab's allerdings, bin ich oft gestoßen.

00:15:33: eine sehr gute Rechtsanwaltskanzlei in München die ja auch an einem Partner hat einen Buch mitgewirkt das in Holland veröffentlicht worden ist das kennst du sicherlich wo die ganzen Methoden dargestellt werden.

00:15:42: und haben meinen Bruder und ich uns damals eben in dem Bewusstsein oder in dem Nichtwissen dass es Organisation gibt die das unterstützen haben wir uns quasi selbst auf die Suche gemacht und haben für eine Methode entschieden haben in Mexiko die Tabletten besorgt.

00:15:54: Wohl wissen, dass Tablette nicht das Beste ist, weil für uns eben das einzige was verfügbar war.

00:15:58: Weil wir kommen ja als normalsterbliche nicht an die Narkosemittel ran oder noch Schlimmeres.

00:16:03: Das ist auch alles bei mir noch im Schrank.

00:16:05: Nur als es dann akut wurde, dann haben uns eben nochmal informiert habe ich wieder diese Kanzlei kontaktiert und die haben dann Linus erwähnt.

00:16:12: Die waren relativ neu aber die werden gut könnten sie empfehlen und die waren für mich super seriös dieser Anwaltskanzlei und dann hab' ich euch kontaktiert.

00:16:22: etwas, was ... anders gefragt.

00:16:27: Wir haben die Eltern reagiert als Andreas nach Hause kommt und sagt so ich hab jetzt was gefunden das könnte euch helfen.

00:16:34: war das ein Aufatmen oder ist dann das Herz schwer geworden weil man gewusst hat okay jetzt nimmt das ganze Formen an und Gestalt an?

00:16:41: Nee es war eine Aufatmung.

00:16:43: Meine Mutter wollte ja nicht deswegen ist sie auch etwas später gegangen.

00:16:46: das hat ja jetzt acht Monate länger gedauert.

00:16:49: aber mal für meinen Vater.

00:16:50: also der war einfach Der war durch.

00:16:53: Das hat man auch gemerkt, ich kannte meinen Vater recht gut und der war einfach...der war durch!

00:16:58: Der wollte nicht mehr, dem konnte es auch nicht schnell genug gehen und er war wahnsinnig erleichtert als ich gesagt habe wir haben jetzt jemand gefunden der das machen kann und zwar eben auch so das war ihm auch wichtig dass es eben gerade für mich rechtssicher ist weil wir hätten das ja aus selber machen können.

00:17:11: aber das hat auch die Anwältin damals gesagt das Risiko wenn man's eben ohne eine Organisation wie die Eure macht dass natürlich die Gefahr besteht, kein Mediziner dabei.

00:17:19: Dann mit unterlassener Hilfe leistet und da kann es einen Gerichtsverfahren geben, aber zumindest eine Untersuchung.

00:17:24: Das heißt man wird das Objekt einer gerichtlichen Untersuchungen.

00:17:27: Das kann wahnsinnig belastend sein.

00:17:28: Das wollte man natürlich alles nicht.

00:17:29: Und deswegen war mein Vater unheimlich erleichtert weil wir eben wussten Wir haben jetzt hier in der Organisation Da gibt's ein Arzt oder eine Ärztin, die übernimmt quasi das rechtliche Risiko.

00:17:37: Es ist ein sicheres Mittel.

00:17:39: Wir müssen nicht das Risiko eingehen, sich Tabletten zu schlucken, sich möglicherweise zu übergeben und solche Sachen also alles So wie es eigentlich sein soll, deswegen war er riesig erleichtert.

00:17:48: Ich erinnere mich so ein bisschen daran, wie das bei uns war.

00:17:50: Bei mir war das ja damals so – das war auch der Auslöser zur Gründung von Linus – dass mein Vater eben gesagt hat, er möchte Sterbelfortbruch nehmen und ich habe das damals als Verrat empfunden weil ich hab ja wirklich jahrelang Zeit Energie Herzblut und Schweiß investiert um ihn am Leben zu erhalten Und dass dann jemand mit Bauchspeicheldrüsenkrebs irgendwann sagt, ich kann nicht mehr.

00:18:10: Das war mir damals natürlich irrationalerweise nicht bewusst.

00:18:14: Also heute rückblickend weiß ich natürlich wie der Ablauf war Jahre später aber oder was dieser Mensch für Qualen empfunden haben muss.

00:18:21: Aber damals als Sohn da war ich emotional einfach total gefresselt.

00:18:26: Jetzt sagst du, jetzt mein Anführungszeichen relativ nüchternsachlich und trocken und dafür bewunderere ich dich tatsächlich sehr in dem Kontext Ich hab mich damals informiert, ich habe damals mit meinem Bruder Literatur besorgt.

00:18:37: Ich hab damals mit dem Bruder Information eingeguckt, aber auch fundierte Informationen.

00:18:41: Du hast ja nicht einfach bei YouTube oder Google reingeguckt?

00:18:43: Sondern du hast tatsächlich Kontakt aufgenommen mit dieser Kanzlei.

00:18:46: Gab es dann irgendwann mal so einen inneren Widerstand als Sohn, dass du gesagt hast ... Weißt du, weil das ist eigentlich schon was Unnatürliches.

00:18:55: Alleine wenn die Eltern sagen und in diesem Fall deinen Vater, der zuerst ging, deine Mama haben wir einige Monate später begleitet.

00:19:04: Aber dieser innere Widerstand, den man als Sohn ja auch empfindet weil man diese Eltern nicht gehen lassen möchte.

00:19:10: Also ich würde jetzt einfach mal naiverweise behaupten keiner möchte seine Eltern einfach gehen lassen.

00:19:15: für kein ist das leicht.

00:19:16: der einer hat vielleicht ein loseres Verhältnis dem fällt es vielleicht distanziert anders in die Arme als jemand, der ein sehr enges Verhältnis hat zu seinen Eltern.

00:19:24: Aber generell würde ich jetzt einfach mal behaupten so objektiv betrachtet dass man ja möchte das die Eltern überleben.

00:19:31: Jetzt hast du sie aber eigentlich auf der Suche nach einer passenden Sterbehilfeorganisation und ich kann nicht beruhigen du bist da nicht der einzige.

00:19:37: also es ist tatsächlich meistens so dass Kinder und Enkel auf uns zukommen von diesen sterbewilligen Menschen dass, sagen wir mal ansatzweise initialisiert mit deinem Bruder Kontakt aufgenommen.

00:19:48: Gab's da mal irgendwann so ein Moment wo du gesagt hast ich hab so einen inneren Widerstand der mir sagt eigentlich möchte Ich persönlich gar nicht das die gehen oder hast Du einfach gemerkt?

00:19:56: Dass Die beiden durch waren und aus der Konsequenz heraus dann auch losgelassen?

00:20:03: Das war letztes.

00:20:04: ich muss sagen ich habe diesen.

00:20:05: ich verstehe was du meinst Und ich habe das bei meiner mutter gemerkt.

00:20:07: er hatte es ganz extrem also dir die treibende kraft in der beziehung immer gewesen ist Und als mein Vater dann sagte, er will nicht mehr.

00:20:14: Da hat sie dann – also man hat bei ihr gemerkt – wirklich alle Register gezogen und deswegen waren auch leider die letzten sechs Wochen, die mein Vater auf seinen Termin gewartet hat für die beiden nicht besonders schön weil das eben so ein Hin- und Her war.

00:20:24: Mein Vater hat sich zum Schluss aus sehr unverstanden gefühlt gerade von meiner Mutter aber auch von anderen Leuten Ärzten

00:20:29: z.B.,

00:20:30: die seinen Wunsch nicht respektiert haben.

00:20:32: Ich bin jetzt jemand der vom Typ ja schon sehr sachlich und rational ist.

00:20:35: Ich habe mich auch mit dem Sterben und einem Tod auseinandergesetzt.

00:20:37: Bin Familienforscher, also von daher gibt es so ein bisschen einen Überblick das unser Leben eben im Verhältnis zum Universum winzig klein ist.

00:20:46: Ich bin Gästeführer, bin auf den Friedhof unterwegs

00:20:48: usw.,

00:20:48: ich hab verschiedene Ansatzpunkte sag' ich mal zu sterben Und für mich ist es... Es kommt sowieso.

00:20:53: Also irgendwann ist es da.

00:20:56: Mein Vater konnte das ruhig und unheimlich sachlich und logisch erklären.

00:20:59: Also er hat das auch mit meiner Frau zum Beispiel gemacht die da eher was du gerade eben an deutes solche Momente hatte.

00:21:05: Aber nachdem ich das Gespräch mit meinem Vater hatte, die haben noch mal einen schönen Tag zusammen verbracht.

00:21:09: Deine Frau jetzt?

00:21:10: Meine Frau genau!

00:21:11: Seine Schwiegertochter sozusagen.

00:21:12: Ganz genau.

00:21:13: Da hat sie das auch verstanden weil es war einfach Schlüsseck und ich wollte mit ihm nicht diskutieren.

00:21:18: Ich meine ist es sein Leben.

00:21:19: er hat sich so entschieden.

00:21:20: Ich konnte das nachvollziehen.

00:21:21: Er war einfach in den Ebenen.

00:21:22: Er hat gesagt er hat ein schönes Leben gehabt mehr da rausgeholt als ich jemals hätte träumen lassen als Kind.

00:21:28: Ob er jetzt siebenundachtzig wird oder neunzig oder fünfundachtzig war ihm vollkommen egal.

00:21:32: Er war so ein klassischer Fall von Lebenssatz, also er war nicht sterbenskrank.

00:21:35: Es hat ihn eingeschränkt.

00:21:36: aber die Perspektive allein auch das konnte ich nachvollziehen dass er möglicherweise noch mal im Krankenhaus landet nochmal stürzt nochmal in die Reha muss und so weiter.

00:21:44: Er konnte nicht mehr alleine duschen da musste meine Mutter bei helfen.

00:21:47: Das war für ihn alles eine Riesenbelastung.

00:21:49: Und da war bei mir eher der Gedanke Ich möchte es ihm gut geht.

00:21:53: Also ich möchte, dass er entspannt ist Das bekommt, was er sich wünscht.

00:21:59: Das wäre sicherlich anders gewesen, wenn er noch deutlich jünger gewesen wär.

00:22:03: Dann hätte man vielleicht da mehr Widerstand geleistet, sag ich mal.

00:22:05: Aber so kam das bei mir nie hoch.

00:22:07: also für mich war klar erfragt und dann helfe ich ihm da.

00:22:10: Wir reden ja viel über Sterbehilfe, es ist ja logischerweise auch ein Sterbehülfepodcast.

00:22:13: aber gab's für die beiden noch die Option vielleicht mal irgendwie ins Pflegeheim zu gehen in die betreute Seniorenresidenz oder ins Hospiz?

00:22:20: Das

00:22:20: war genau das, was sie nie wollten.

00:22:21: Also das war so eine der Horrorvisionen, dass wir eben in einem Heim mussten.

00:22:25: Die haben in dem Reihenhaus zum Schluss gewohnt, weil es nicht besonders klebber war, aber trotzdem das war halt das, wat sich ausgesucht hatten.

00:22:30: Und da wollten Sie nicht raus.

00:22:32: also Heimen wäre für Sie nicht infrage gekommen.

00:22:35: Und auch aus Beats oder Palliativ.

00:22:38: Das hatten wir uns angeguckt, ich hatte da auch nach Alternativen gesucht.

00:22:41: Ihr fragt ja auch in euren Antragsformularen danach?

00:22:43: Habt ihr euch andere Methoden angegückt?

00:22:45: und ich hab also ... Da wo meine Eltern wohnen gibt's Beratungsstellen für Palliativ-Pflegepalliatifstationen

00:22:51: usw.,

00:22:51: habt ihr mit Leuten gesprochen denen das erklärt und dann hieß es schon, hm Schwierig!

00:22:56: Also das war eigentlich nicht der Weg den sie gehen wollten.

00:22:59: Das war wirklich so zu Hause Mit Unterstützung von einem Arzt Kurz und schmerzlos sozusagen.

00:23:06: Wir hatten vor einigen Tagen Besuch von einem nahegelegenen Hospiz, bzw.

00:23:12: von der Hospizleitung – das Hospiz hat noch nicht besucht aber die Leitung hat uns besucht und uns vorgeworfen dass wir zu wenig Aufklärung und Angebot für Hospizunterbringungen schaffen.

00:23:23: Und dabei ist es aber so wie kategorisieren ja die Bewerber, die zu uns kommen, zu Linus kommen in drei Kategorien.

00:23:28: also wir haben einmal die Schwerstkranken, das ist Kategorie eins.

00:23:31: Dann haben wir eben die Persönlichkeiten, wie jetzt beispielsweise den Vater.

00:23:35: Das sind multimobile Persönlichkeiten, die sozusagen eine ganze Anhäufung an Krankheiten haben, deren Leidensdruck dann sozusagen die Lebensqualität nachhaltig massiv mindert, aber per se nicht tödlich sind diese Krankheiten?

00:23:47: Und wir haben, und das ist aber wirklich der kleinste prozentuale Anteil.

00:23:51: Der passiert hier äußerst selten oder kommt hier äußer selten vor lebenssatte Menschen.

00:23:54: Das ist ja im Wesentlichen auch so.

00:23:55: diese Debatte die wir in Deutschland gerade haben, dass uns oft vorgeworfen wird Wir würden Menschen unter Druck setzen, die per se nicht krank sind Aber die dann eben niemandem zur Last fallen wollen eigentlich kerngesund sind.

00:24:07: Also die letzte lebensrate Person die wir begleitet haben tatsächlich war hundert drei Die waren für sich gesund.

00:24:12: die Dame habe ich gehört genau richtig aber die war einfach so betagt gesagt hat, der liebe Herrgott hat mich vergessen und selbst die Kinder waren da schon um Altersschwäche gestorben.

00:24:21: Also die war völlig aller.

00:24:23: Auf jeden Fall hat uns diese Hospizleitung das ihm vorgeworfen.

00:24:26: deswegen habe ich auch gerade die Frage gestellt ob für die beiden eine Hospizinfrage gekommen wäre oder eben Pflegeplatz.

00:24:31: Das Problem ist, dass wir mit Masse eben Kategorie zwei Patienten betreuen.

00:24:36: Also nicht mal die Schwerstkranken sondern Menschen, die wirklich eine ganze Ansammlung von schweren Kranken haben.

00:24:40: also Kategorien zwei Patienten, die kommen im Hospiz gar nicht unter und das gehört auch zur Wahrheit.

00:24:46: da wird immer ganz gern mit so einer gewissen doppelmoral berichtet.

00:24:51: aber letzten Endes ist es so, dass Hospize unsere Patienten einfach gar nicht aufnehmen.

00:24:55: Und im Pflegeheim, das ist ein großes Problem.

00:24:58: Weil eben die Pflegesituation in Deutschland einfach dermaßen marode und schlecht ist... ...und da spreche ich glaube ich vielen Angehörigen auch aus dem Herzen.

00:25:07: Dahingehend dass eben auch viele ältere Menschen in dieser Kriegs- und Nachkriegsgeneration also gerade jetzt so die Generation deiner Eltern Die Generation meiner Großeltern sozusagen dass die einfach sagen, ich könnte mir niemals vorstellen mein autarkes Leben abzugeben meine autonomie abzugehen und Ich bleibe so lange zuhause wie es geht Versuch mich irgendwie selbst zu versorgen.

00:25:28: Und dann kommt für mich dieser weg sterbehilfen nur noch einzig unter leinen frage.

00:25:33: Meine frage wäre jetzt noch du hattest gerade eben noch mal gesagt deine das also Die Luft war relativ dicke zu Hause, ab dem Zeitpunkt der Kontaktaufnahme bis zur Durchführung im Hinblick auf deinen Papa.

00:25:46: Also deine Eltern sind ja beide in einem Abstand von mehreren Monaten gegangen.

00:25:49: Wir haben zwar auch Paare die wir gleichzeitig begleiten Aber in deinem Fall oder eurem Fall war es so dass erst der Papa ging und dann die Mama.

00:25:57: Was war da genau los?

00:25:58: Also hatte die Mama irgendwie die Überzeugung verloren Oder hatte sie einfach nur Angst um den bevorstehenden Verlust ihres Mannes?

00:26:06: Vielleicht kannst du das bisschen einordnen.

00:26:09: Also das mit dem Angst vor dem Verlust ihres Mannes auf jeden Fall.

00:26:12: Die waren sechzig Jahre verheiratet und es war so eine Art Symbiose, ich glaube nicht dass meine Mutter wirklich bewusst sagen konnte was ihr fehlen wird aber sie hat Ich glaube, ich hatte eine Ahnung, dass wenn mein Vater nicht mehr da ist, einiges schwieriger wird.

00:26:24: Zumal sie dann eben auch wusste, dass er sich mehr und mehr auf mich verlassen muss – was kein Problem ist!

00:26:28: Ich habe das auch immer gesagt.

00:26:29: Ich kümmere mich um Sie und meine Mutter war zum Beispiel technisch vollkommen unbegabt.

00:26:32: Also ich musste jetzt meinen Vater erklären wie es einen Fernseher anmacht.

00:26:35: Die hat keine Hände gehabt, die hat nie eine E-Mail geschrieben oder so.

00:26:38: In unserer heutigen Welt ist ja schon ein größeres Problem.

00:26:42: Und das war das eine und dann, glaube ich, war auch so ein bisschen die Dynamik zwischen meinen Eltern.

00:26:46: Meine Mutter war immer diejenige, die vorangegangen ist.

00:26:48: Die hat die Entscheidung getroffen, mein Vater ist hinterhergedackelt und jetzt hat mein Vater eben entschieden.

00:26:52: er geht.

00:26:53: Ich glaube, das ist aber meine persönliche Interpretation.

00:26:56: Das hat meine Mutter irgendwo gestört weil ihr ist erst das Handelns aus der Hand genommen worden.

00:27:00: Und ich habe meinen Vater noch an seinem Sterbetag gelobt dafür dass er bei dieser letzten wichtigen Entscheidungen standhaft geblieben ist und gesagt hat, das ist meine Meinung.

00:27:11: Es geht um mich, ich will das

00:27:13: jetzt.".

00:27:13: Und meine Mutter hat wirklich alle Register gezogen aber er hat durchgehalten ja und persönlich fand ich das gut.

00:27:19: oder das war das was meiner Mutter eben Schwierigkeiten gemacht hat glaube ich?

00:27:22: Ich glaube sie hatte einfach auch Angst vor dem Alleinsein.

00:27:25: Das sicherlich auch!

00:27:26: Meine Mutter war eine Person die hat so habe ich es zumindest wahrgenommen.

00:27:29: Die konnte sich unheimlich schwer vorstellen Wie eine zukünftige Situation aussehen sollte.

00:27:35: Sie musste das erleben und sie hatte wahrscheinlich so eine diffuse Angst, was wie könnte das werden ohne ihn?

00:27:40: Aber sie hat zum Beispiel die ersten T-Monat bis Weihnachten hat sich eigentlich super geschlagen.

00:27:44: da ist in Konzerte gegangen mit Nachbarn spazieren gegangen war auf zum Senioren treffen in dem Ort, in dem sie da wohnten.

00:27:53: Und sie hat es eigentlich bis Weihnachten geschafft.

00:27:54: Da kam mein Bruder und meine nicht aus Kanada von dem Zeitpunkt an... Das war wie so, hört man ja auch manchmal als Hetze darauf noch hingearbeitet, meinen Bruder oder ihre Enkele nochmal zu sehen.

00:28:04: Von dem Zeit Punkt an ging's dann quasi bergabt.

00:28:06: Da hat sie dann Zittern entwickelt, ein essenzielles Zittern in den Händen.

00:28:10: Hat auch ihre Kognitiven dazu abgenutzt, mal so kognitive Aussätze gehabt.

00:28:13: das wird dann schlimmer.

00:28:15: Und da hat man den Eindruck gehabt, da hat sich dann ein Tantuch geschmissen.

00:28:18: ich glaube dass Sie So ein bisschen gemerkt hat, dass das Leben ohne meinen Vater – sie hat natürlich vermisst.

00:28:24: Aber da ist auch ganz praktisch gewisse Sachen die mein Vater übernommen hat, gerade so zum Beispiel bei sozialen Kontakten.

00:28:30: Mein Vater hat das sehr gerne gemacht, der war gern mit Menschen zusammen und er hat es genossen.

00:28:34: Meine Mutter hat das gehasst eigentlich.

00:28:36: Sie tat immer so als Fenster gut und sie ist auch mal mitgegangen.

00:28:39: Die hatte auch zum Geburtstag angerufen aber eigentlich wie mir jetzt Schulfreundinnen, die schon ganz früher kannten und bestätigten.

00:28:46: Das war früher so, sie mochte das eigentlich.

00:28:48: Und da hat mein Vater eben ... Sie mochte es nicht.

00:28:50: Mein Vater hat ein bisschen, glaub ich, sie davor geschützt.

00:28:52: Er stand vor ihr in sozialen Situationen dafür gesorgt, dass alles rund lief.

00:28:56: Sie konnte sich hinter ihm verstecken.

00:28:58: Und das war eben nicht mehr da.

00:28:59: Ich glaube, sie hat dann erst erlebt wie's ist ohne ihren Partner zu sein.

00:29:04: Und zum Schluss war das auch einfach für sie zu viel.

00:29:07: Das wollte sie nicht mehr

00:29:08: haben.

00:29:09: Haben die beiden mit dem persönlichen Umfeld, also gerade mit Freunden Bekannten über ihren Wunsch gesprochen.

00:29:15: Also wir reden jetzt nicht vom losen Wunscht sondern ab dem Zeitpunkt der Aufnahme oder der Bewerbung.

00:29:21: Eine Bewerbung bei Linus heißt ja noch lange nicht dass man aufgenommen ist aber Ab dem zeitpunkt der Bewärmungen?

00:29:25: haben die das kommuniziert in ihrem umfeld?

00:29:27: Nee, haben sie nicht.

00:29:29: Warum

00:29:29: nicht?

00:29:30: Weil sich auch meine Mutter zum Beispiel hat dann gemeint Können wir uns nicht was überlegen was von den Nachbarn sagen?

00:29:36: und so ich glaube da war ein bisschen Scham dabei sich vielleicht davon stiehlt oder wie man mal das nennen will.

00:29:42: Also, das war ein Unangenehmen und mein Vater hat es was ich bedauerlich fand weil ich hätte mir gewünscht dass er zumindest seinen engen Freunden sagt die ich dann angerufen habe nachdem er gegangen war.

00:29:52: und also seine beiden besten Freunde sind spontan am Telefon in Tränen ausgefallen und das tat mir so ein bisschen Leid für die Freunde eben weil sie mit meinem Vater eben auch über Jahrzehnte zusammen gewesen sind.

00:30:01: aber mein Vater war so im Tunnel weil er eben so konfliktscheu war, glaube ich.

00:30:06: Ich hatte so eine Sorge, dass er dann anfangen musste diskutieren und sich rechtfertigen muss.

00:30:10: Und das war wie gesagt für ihn zum Schluss eben das Schlimmste.

00:30:12: Er wollte sich nicht rechtfertigern, er wollte, dass man akzeptiert, dass das seine Entscheidung war und ihn damit auch in Frieden lässt.

00:30:18: Das hat da eigentlich nur von meinem Bruder und mir im Prinzip noch von meiner Frau bekommen.

00:30:23: Das waren auch der kleinste Kreis mit dem er drüber gesprochen hat.

00:30:25: Also er hat weder den alten Kollegen, Freunden verwandten oder so, hat er nicht erzählt?

00:30:33: ist ja in der Natur der Sache, dass wir als betreuende Menschen die in so einer Organisation arbeiten.

00:30:40: Dass wir ganz anders offen in der Öffentlichkeit über ein ärztlich assistiertes Suizid sprechen, also selbstbestimmtes Lebensende und ich erinnere mich noch an die Anfangszeit, als wir Linus gegründet haben da war das Urteil auch gerade noch ganz frisch in Deutschland, dass es eben straffrei ist, als Arzt eben dazu assistieren und da hatte das schon was Schmuddeliges auf.

00:31:01: Und wir erleben heute noch, dass Menschen gerade in ländlichen Regionen die dann sehr kirchlich auch stark geprägt sind oftmals Angst haben das der Pfarrer im Ort was erfahren könnte oder dass man geächtet werden will.

00:31:12: Ich finde das furchtbar und grausam weil ich finde, dass es jedem selbst überlassen sein sollte insofern er den geistig klar und auch entscheidungsfähig ist da also nicht in der akuten Lebenskrise drin steckt, selbst entscheiden zu dürfen wann er wie geht.

00:31:27: In einem gewissen Alter und ich glaube mit Mitte Achtzig wenn man dann krank ist kann man jemandem zugestehen sich zumindest mit dem Thema mal auseinanderzusetzen noch öffentlich.

00:31:35: Ich glaube dass das in zehn Jahren nicht mehr der Fall sein wird.

00:31:37: Ich glaub in zehn jahren werden wir anders in Deutschland damit umgehen.

00:31:39: Also wir haben Länder wie Holland oder die Schweiz.

00:31:42: Das ist völlig normal Dass man seinen Freunden abends beim Abendessen erzählt dass man sich bei einer Sterbelüferorganisation beworben hat Und dass reine Bewerben dort aufnehmen lassen.

00:31:51: Die Datenbank heißt ja noch lange nicht, dass deshalb der Zersensenmann vor der Tür steht und sagt ihr müsst jetzt werden.

00:31:56: Ja, sondern das ist ja etwas was die Sterbehilfeorganisationen sicherstellen, dass man eben kann wenn man möchte, weil ich mich muss, wenn man diese Rahmenparameter einhält.

00:32:07: aber jetzt gab es ja noch zwei Kinder.

00:32:09: also sprich euch beide dein Bruder und dich.

00:32:11: Und habt ihr das in der Familie auch intensiv kommuniziert?

00:32:14: oder war das eher etwas, was man unter den Teppich gekehrt hat?

00:32:17: Du meinst

00:32:17: das später als es passiert war.

00:32:18: Nee noch bevor.

00:32:19: also wir sind jetzt noch in der Zeit.

00:32:21: deine dein dein dein Vater wurde von uns aufgenommen in die Datenbank.

00:32:24: er hat ja dieses Bewerbungsverfahren dann durchlaufen innerhalb kürzester zeit und der wurde jetzt aufgenommen und da war dann eben einfach auch klar dieser Freitod, der da bevorstehende.

00:32:34: Der wird jetzt skizziert und war das etwas was dich... Also ich weiß noch wie das bei meinem Vater damals war als der in den Verein aufgenommen wurde, als der mir dann immer ganz stolz alle drei Tage am Telefon berichtete also er lebt ja von Kiel Ich war hier ins Stuttgart mit der Familie ... wie mich das auch belastet hat.

00:32:51: Also, mich hat er so krass belastete!

00:32:53: Der hat mir da immer ganz stolz reden gehalten am Telefon was er jetzt noch alles vorhat.

00:32:58: also er will da noch hin reisen.

00:33:00: Er wollte zum Formel I rennen nach Istanbul.

00:33:02: damals war aber Corona-Zeit.

00:33:04: dann fiel das ins Wasser glaube ich zumindest.

00:33:08: Dann wollte er mit dem Kreuzfahrtschiff eine Weltumrundung machen dann wollte er noch Kryptowährungen handeln und hat sich da noch ein Börsenbuch gekauft was das in mir ausgelöst hat.

00:33:18: Das war eine Lawine der Trauer, die in mir... ...in mir aus gelöst wurde.

00:33:24: Aber ich hab dann halt natürlich als Sohn versucht stark zu sein und ihm das jetzt nicht madig machen zu wollen.

00:33:30: Innerlich habe ich aber die Fäuste in der Tasche zusammengebracht und war wirklich oftmals drauf und dran bei dieser Organisation anzurufen und zu fragen, was macht ihr da eigentlich mit diesen Menschen?

00:33:39: Weil der nochmal durch diese Aufnahme damals in den Vereinen, damals gab's Linus ja noch nicht noch mal so dieses Heft des Handelns wieder in die Hand gekommen hat.

00:33:49: Der hatte nochmal ein Gefühl von Macht bekommen über seine Krankheit, und nach dem Motto ich muss zwar sterben aber jetzt darf ich zumindest entscheiden wie ich sterben will.

00:33:57: Das hat ihm so unglaublich viel Kraft verliehen dass der trotz tagelanger Bettlegrigkeit auf einmal wieder aufstand sich wusch sich anzog zum Bäcker lief und das war der war wie ausgewechselt.

00:34:08: also dieses was wir auch aus der Sterbeforschung kennen dieses letzte Aufräumen.

00:34:12: War das bei deinem Vater auch so?

00:34:13: Nee überhaupt nicht.

00:34:14: Also mein Vater war wirklich, ohne zu lügen.

00:34:18: Er hat die letzten sechs Wochen in seinem Sessel gesessen und hat Kreuzwort-Rätsel gelöst im Zahlenrätsel auf die Stand da.

00:34:24: Das hat er schon in der Reha gemacht und meinen Vater war wie gesagt voll im Tunneln.

00:34:27: also ich habe ihn dann mehr, wie soll es sagen?

00:34:31: Ich hab versucht ihn so ein bisschen zu involvieren indem ich zum Beispiel gesagt habe okay Wir wollen eine Trauerkarte verschicken, das gehört sich einfach so.

00:34:38: Hier ist die Liste der Empfänger.

00:34:39: Geht ihr mal durch und sag mir ob da jemand fehlt?

00:34:40: War das nicht aber für dich auch so real um dann nochmal anzuschließen an meine Frage weil ihr als Kinder standet jetzt da also du und dein Bruder.

00:34:47: habt ihr euch darüber ausgetauscht was dabevorsteht?

00:34:49: Ja

00:34:49: mit meinem Bruder habe ich schon drüber gesprochen wobei das jetzt weniger... wir hatten eben auch relativ schnell akzeptiert dass es passieren wird.

00:34:54: von daher war jetzt nicht so.

00:34:56: mein Vater wie gesagt hat sich da nicht irgendwie anders verhalten.

00:34:59: Ich habe ihn auch gefragt, will es nochmal was Besonderes machen?

00:35:01: Er wollte immer mehr in Restaurants gehen und noch mal ein fettes Dek essen, das er immer gerne gemacht

00:35:04: hat.".

00:35:04: Weil er denn so intensiv darauf hingearbeitet oder gewartet hat auf diesen Tag X... Ja,

00:35:10: der hat auf den Tag X gewartet.

00:35:11: ...oder hatte Angst gehabt vor einer Konfrontation mit anderen Menschen die ihn vielleicht versuchen könnten umzustimmen.

00:35:18: Also dadurch, dass es ja niemand wusste außer dem engsten Familienkreis und zu Hause mit seiner Frau muss da permanent drüber reden weil sie ihn halt bearbeitet hat das er das bleiben lassen soll.

00:35:26: Wir Kinder haben das nicht gemacht also

00:35:27: deine Mutter sozusagen.

00:35:28: Ganz genau meine Mutter.

00:35:29: Die

00:35:29: hat dann eben noch mal versucht ihnen umzustimmen und zu

00:35:32: sagen macht

00:35:32: das nicht

00:35:33: ganz genau.

00:35:33: Hat gesagt du liebst mich nicht mehr aus dieser

00:35:35: Verlust angst herraus?

00:35:37: Okay.

00:35:38: Weil

00:35:38: gegen Sterbehilfe kann sie ja nichts gehabt haben, weil sie hat ja dann selber sterben können.

00:35:41: Genau das war auch nie ein Thema.

00:35:42: Dass er jetzt diesen Weg wählt mit einer Sterbehhilfeorganisation ganz genau, wie du richtig sagst.

00:35:49: Irgendwo im Hinterkopf wusste, das macht sie möglicherweise auch noch mal.

00:35:52: Nicht in dem Augenblick.

00:35:53: Das wollte eben nicht.

00:35:54: Aber dass das nochmal auf die Agenda kommen könnte, das war schon klar.

00:35:58: Das war gar nicht so die Geschichte.

00:35:59: Es war wirklich eher diese Verlustangst und da hat es wie gesagt alle Register gezogen.

00:36:04: Und mein Vater war ... Ich glaube er war wirklich so, dass ihm unsere Ware generell gestrickt.

00:36:08: Also er hat sich jetzt entschieden, er macht das und dann wird er ungeduldig.

00:36:12: Er wollte das möglichst schnell.

00:36:13: also ich muss ihn doch immer wieder beruhigen.

00:36:15: Ihr habt ja auch einen Podcast erzählt dass er unheimlich gewachsen seit, viele Anfragen hatte.

00:36:21: Dann hat es auch mal ein bisschen länger gedauert bis eine Antwort kam habe ich mir versucht ihm ruhig zu erklären die machen das schon.

00:36:27: Ich hab den Eindruck diesen seriös, die melden sich tot.

00:36:29: sicher Das war ihm alles...

00:36:30: Was ist nett danke

00:36:32: Ja für ihn war das alles... Es hat ihm alles so lange gedaubert.

00:36:34: Also

00:36:35: das war ihm immer alles... Das ging ihm nicht schnell genug.

00:36:37: dann hattet ihr bei meinem Vater gesagt dass er noch ein zweites erstes Gutachten braucht Und vorgeschlagen, dass wir zu einem Hausarzt gehen.

00:36:45: Die Hausärztin war überhaupt nicht begeistert von dem Thema religiös und ich fand es persönlich unprofessionell von ihr.

00:36:52: aber ich habe Verständnis dafür weil jeder Mensch sieht das eben anders muss man auch den Menschen lassen.

00:36:56: Und die hat es dann strikt geweigert, da irgendeinen Gutachten zu schreiben.

00:36:59: Dann habt ihr halt nochmal einen zweiten Arzt vorbeigeschickt, der das zweite Gutacht... Das war für meinen Vater alles unerträglich!

00:37:04: Weil es jedes Mal für ihn eine Hürde war und jedes mal die Angst vielleicht klappt's doch nicht.

00:37:08: Vielleicht kommt mit ihm noch irgend ein Stein oder irgendwie ein Stock zwischen den Beinen gebrochen.

00:37:13: Und deswegen er war einfach nur erleichtert als der Tag dann da war uns an der Tür geklingelt hat.

00:37:20: zielstrebig durch den Prozess durch.

00:37:22: Hast du das mit Freunden mal besprochen, was dein Vater vorhat und was ihr da zusammen als Familie auch durchführt?

00:37:28: Also sprich

00:37:28: die... Nee also noch am Leben war habe ich das nicht gemacht.

00:37:31: Ich hab's mit einem Freund besprochen der allerdings in Chicago lebt, also weit entfernt mit der Familie eigentlich nichts zu tun hatte und dem habe ich erzählt dass es ein ehemaliger Hofsoldat usw.

00:37:41: Da wusstest ja auch der kann mit tot und so weiter umgehen.

00:37:44: Aber meine engsten Freunden zum Beispiel, ich hab auch das Glück, relativ viele enge Freunde zu haben.

00:37:49: Den habe ich nicht erzählt weil ich A. meinem Vater gegenüber loyal sein wollte der gesagt hat Ich möchte nicht dass es viele Leute wissen aus

00:37:56: angst vor Ablehnung dann auch

00:37:57: Ja und möglichen Diskussion dass das die Runde macht und so weiter.

00:38:00: also er wollt das klein halten.

00:38:02: Und ich habe eben auch gemerkt oder die Vermutung schon gehabt allein zb durch den Diskurs den ich mit meiner Frau geführt habe Dass Menschen mit so einem Thema unterschiedlich umgehen und es viele doch sehr belastet.

00:38:14: Deswegen wollte ich auch meine Freunde damit nicht belasten, ich wollte das nicht bei denen abladen.

00:38:17: Und jedes mal so ein kleines... wie soll ich sagen?

00:38:22: So einen Unruhe-Stifter da irgendwie Menschen jetzt mit so dem Thema zu belasten die mitten im Leben stehen, die das auch ja nicht direkt berührt.

00:38:29: Erst als es dann passiert war, da habe ich's den Leuten erzählt.

00:38:32: Dann hab' ich mir auch viel Zeit genommen ganz bewusst und hab teilweise mit denen halbe Stunde Telefoniert um eben auf Fragen zu beantworten

00:38:38: usw.,

00:38:38: weil man allein schon wenn man sie jetzt persönlich vor sich hatte sehen konnte dass das für viele schockierend war.

00:38:45: Das stellte ja auch in euren Podcasts dar.

00:38:47: Viele wussten nicht dass das in Deutschland geht Und im großen und ganzen war große Zustimmung da im Freundesunterwandtenkreis von meinem Vater.

00:38:55: Zwei haben allerdings gesagt, sie akzeptieren das nicht.

00:38:57: Wie gesagt, was aus meiner Sicht vollkommen in Ordnung

00:38:59: ist?

00:38:59: Ja absolut!

00:39:00: Es war eine große Zustimmung.

00:39:01: ansonsten da aber schon eben auch Überraschung.

00:39:04: also man hat sich damit gerechnet dass er etwas macht und deswegen habe ich meine Freunde nicht involviert weil ich gedacht hab ich möchte die jetzt nicht mit reinziehen das wäre ein bisschen... Und ich muss sagen für mich war es okay ich konnte mal mein Bruder drüber reden Ich konnte immer einer Frau darüber sprechen und es hat mich jetzt auch wirklich.

00:39:17: Mich vielleicht komisch hat mich jetzt nicht so belastet irgendwie.

00:39:20: Also es war halt, für mich war das auch gleich wieder jemand, ich nehme eher die Aufgabe.

00:39:24: Die Aufgabe war mein Vater zu helfen und es hat funktioniert.

00:39:29: Es war genauso wie er es gewünscht hat.

00:39:30: wir haben so schnell gemacht wie's irgendwie ging.

00:39:32: Das ist ja auch euch zu verdanken dass es eben nicht diese bei anderen eben dieser relativ langen Prozesse gibt mit mehreren Gutachten usw.

00:39:39: Das war im Unheimlich wichtig und von daher Warst du nicht jetzt nicht unbedingt notwendig?

00:39:43: Ja, die Begutachtungen haben wir schon durchgeführt auf der Basis, die wir eben durchführen müssen.

00:39:47: Natürlich

00:39:47: genau!

00:39:48: Aber es ist halt so... Wir sind ja eine sehr kleine Organisation.

00:39:51: Wir haben hier keine vierzig-fünfzigtausend Mitglieder.

00:39:53: Also ich glaube wenn jeder Linusarzt irgendwie auf dreißig bis vierzig Bestandspatienten zurückblickt oder hinabblickt dann ist das schon viel und daraus resultieren das einfach eine individuellere Betreuung.

00:40:04: Du hattest für die Hausärztin angesprochen.

00:40:07: Das hat mich noch mal interessiert, wir haben oftmals die Problematik, dass viele Patienten, die wir bitten, bestimmte Unterlagen einzuholen zur Begutachtung unsererseits sagen ich trau mich das nicht beim Hausarzt anzubringen.

00:40:19: das Thema man muss jetzt aber auch fairerweise dazu sein.

00:40:21: Wir haben tolle Hausärzte in Deutschland Teils Die wirklich... Nicht weil sie Sterbhilfe per sie unterstützen sondern weil sich dann einfach sich auch wirklich Gedanken machen was möchte der Mensch?

00:40:30: Was kann ich für den Menschen jetzt noch tun mit einem sehr hohen Lebensalter?

00:40:34: Wir haben aber auch Hausärzte, die haben ihre Patienten auch schon einliefern lassen.

00:40:37: Also wir hatten einen Fall da ist eine Bewerberin es zum Hausarzt gegangen mit den Bewerbungsunterlagen und hat ihn dann eben gebeten da irgendwie seine Meinung darunter zu schreiben.

00:40:50: und er sagte dann eben einen Moment kurz ich gehe jetzt mal eben Kaffee holen und zehn Minuten später stand er halt mit dem Krankenwagen und dem Rettungseinsatzteam.

00:40:58: Und dann wurde die halt ins Zentrum für Psychiatrie eingewiesen, ich meine man hat dann dort tatsächlich auch von dort aus bei uns angerufen und gefragt was sollen wir jetzt mit der Frau?

00:41:07: Dann haben wir eben gesagt keine Ahnung weil wir haben sie ja nicht einliefern lassen.

00:41:10: fragen Sie das mal den Hausarzt und da hat man ihm nach Hause gebracht die eine Frau.

00:41:13: aber das Vertrauen war natürlich hinüber.

00:41:16: Und das ist etwas, was ich auch tatsächlich sagen muss.

00:41:19: Wir werden oft kritisiert, weil wir eben Menschen dann in bestimmter Hinsicht ... oder so lautet der Vorwurf.

00:41:26: Wir würden nicht mit einem offenen Ergebnis beraten.

00:41:29: Ich sag mal, achtundneunzig Prozent aller Patienten, die zu uns kommen, haben bereits schon einen sehr langen Leidensweg hinter sich.

00:41:38: Mit Palliativbetreuung und sei es mit dem Wunsch ins Hospiz zu kommen, wo kein Platz freies

00:41:42: etc.,

00:41:43: pp.

00:41:46: Man kann beraten, man kann mit denen reden und sagen Mensch es gibt sicherlich noch andere Möglichkeiten.

00:41:51: Aber man muss dann auch aufpassen dass man das nicht überreizt.

00:41:53: Weil sonst einfach so diese Brücke des Vertrauens bildende Brücke die stürzt dann ein.

00:41:59: Und das ist halt einfach immer so ein Ritt auf der Rasierklinge.

00:42:02: aber was ich sagen muss wenn du so erzählst erinnert mich schon wieder auch so ein bisschen an meiner eigene Geschichte.

00:42:10: Ich muss sagen, ich hab das Ganze in drei Phasen erlebt und das wusstest du wahrscheinlich ähnlich getan haben mit deinem Bruder.

00:42:14: Phase eins war erst mal überhaupt die Kontaktanbahnung.

00:42:17: Das war schon ein bisschen komisch.

00:42:18: Also zu wissen der Vater ist mit einer Sterbehilfeorganisation im Kontakt, es ist ja schon merkwürdig.

00:42:24: Phase zwei war für mich als er mir erzählte, er hätte jetzt das erste Gutachtengespräch mit dem Arzt gehabt, das war ja bei euch auch der Fall dass eben die durchführende Ärztin von Linus seinerzeit dann eben zu euch kam um dort eben die Grundlage zu schaffen.

00:42:38: und Phase drei.

00:42:39: Und da ging es mir dann innerlich emotional richtig ans Leder, das war eben zu wissen der Termin steht jetzt.

00:42:45: Weil wenn der Termin steht, dann weißt du irgendwie innerlich es gibt jetzt keinen zurück.

00:42:50: Du fühlst dich so ein bisschen wie so'n Lämpchen was Richtung Schlachtbank geführt wird emotional betrachtet weil du jetzt auf einmal einen Prozess angestoßen hast den du nicht mehr steuern kannst.

00:43:01: ich meine natürlich kann der Sterbewillige jederzeit abbrechen keine Frage er kann sagen geht Ich hab das jetzt von...ich weiß nicht wieviel Menschen wir begleitet haben Es geht in die Tausende.

00:43:10: auf jeden Fall Ein einziges Mal erlebt?

00:43:13: Ich wollte schon mal fragen ja

00:43:14: Ich habe ein einziges Mal erlebt, dass eine sterbewillige Person ein Patient – das war ein Mann mit Lungkrebs gesagt hat ich möchte heute nicht.

00:43:23: Das war an einem Samstag und da hat der VfB Stuttgart gespielt.

00:43:27: Und er saß dann mit seinem Fanschall und seinem Bier, saß da auf dem Sofa und wir kamen dann eben rein, ne?

00:43:33: Mit der ganzen Kapelle also Freitodbegleiterin, war noch ein Arzt dabei zum Hospitieren Und das war glaube ich so, lass mich lügen vielleicht um die Mittagszeit.

00:43:45: Die Zeit wo du Lothar Matthäus normalerweise bei Sky Sport irgendwo dann siehst am Experten an der Expertentilke vorne unten auf dem Platz und es war kurz vor Anstoß und wir haben ihn eben noch gefragt ob er heute gehen möchte, ob das wirklich sein freier Wille ist?

00:43:58: Er sagte ja, aber eigentlich möchte er das Spiel noch gerne sehen!

00:44:03: Ich weiß nicht, wer da gegen Wien der VfB gespielt hat.

00:44:05: Aber das war tatsächlich der einzige Patient, der aus Liebe zu seinem Verein und zum Sport einfach nicht abtreten wollte.

00:44:11: Der ist dann später gegangen aber zu einem späteren Zeitpunkt gegangen.

00:44:16: Es war doch der Einzige, der es abgebrochen hat.

00:44:20: Dennoch fühlt man sich hilflos ausgeliefert als

00:44:22: Kind.".

00:44:23: Ja, und das ist egal wie alt man ist.

00:44:25: Ich bin deutlich jünger als du aber grundsätzlich fühlt man sich da hilflos ausgeliefert.

00:44:29: Man war denn für dich so der das erste mal der punkt wo du gesagt hast jetzt ist es sich.

00:44:33: also Jetzt ist der moment gekommen an dem Einer meiner Eltern gehen wird.

00:44:39: Also ich wusste dass mein voraus im Krankenhaus kam Als mein Vater zu mir gesagt hat Hilf mir so

00:44:43: Waren krankenaus aufenthalt.

00:44:45: Wie gesagt, so sechs Wochen vorher kam er raus.

00:44:47: Durch den Oberschenkel-Halsbuch war er zwei Monate im Krankenhaus in Reha und als er aus der Reha herauskam ich habe ihn in der Rehe auch öfter besucht usw.

00:44:54: Da hat er schon ansatzweise darüber gesprochen.

00:44:55: aber dann hat er ganz deutlich eben gesagt, dass er rauskam.

00:44:58: macht das und das war so sechs, sieben Wochen vor seinem Termin dann als ihr ihn begleitet habt.

00:45:02: Und da indem Oliver das gesagt hat wusste ich, dass es nicht mehr umstößbar wird.

00:45:06: Das wird er definitiv machen.

00:45:08: Hat sich auch Indio nichts verändert bis zum Tag der Begleitung sozusagen?

00:45:12: Eigentlich nicht, nee.

00:45:13: Also für mich ich hatte so ein bisschen... Ich habe vorher noch nie einen Menschen sterben sehen, geschweige denn jetzt meine Eltern oder meinen Vater in dem Fall und da wusste ich nicht ganz genau wie werde ich wohl damit umgehen wenn ich dabei bin.

00:45:25: Und meine Mutter und ich waren eben dabei aber das war eigentlich okay.

00:45:29: also wie gesagt mein Vater ich hab mit ihm vielleicht den Unterschied zu anderen.

00:45:35: Dadurch, als Familienforscher bin, mache ich solche sogenannte Livestory-Interviews.

00:45:39: Das heißt, ich interview ältere Menschen typischerweise so zweimal zwei Stunden und dann transkribiere ich das, ergänze das mit Informationen aus der Familiengeschichte und mache ein Buch draus.

00:45:48: Und das habe ich mir meinem Vater eben auch gemacht.

00:45:50: Deswegen habe ich es so ein bisschen... Mein Vater nicht nur als Vater gesehen, sondern ich habe ihn eben auch als Michael Eder.

00:45:56: Wir haben immer gesagt Mischi, also Mischie gesehen.

00:45:58: Ich hab meinen Vater auch Mischy genannt oder Papa.

00:46:00: Also je nachdem was halt gerade die Situation gewesen ist.

00:46:02: Und dadurch habe ich nochmal eine andere würde ich jetzt zumindest aus meiner Sicht eine andere Beziehung zu meinem Vater bekommen.

00:46:08: Und ich habe mir das auch gar nicht so als Vater gesehen, sondern es war für mich da eher der Mischi, wie ein Freund eben und deswegen war's für mich jetzt nicht so emotional, sondern mir war wirklich mein Fokus darauf, ich will ihm einfach in der Situation helfen dass er rauskommt.

00:46:22: Und als er dann gegangen ist, das ging bei ihm auch relativ schnell.

00:46:25: Da habe ich halt meine Hand auf seine Brust gehabt und so.

00:46:28: Meine Mutter saß am Fußende hat die Hand auf dem Bein gehabt undso.

00:46:31: Mein Vater war auch total entspannt.

00:46:33: Er hatte doch keine Sekunde gezögert, als die Ärztin gesagt hat jetzt können sie aufdrehen da hat der rüber Rädchen hoch gedreht sich zurücklegt Hände über den Bauch gefaltet Augen zugemacht und gewartet dass es passiert.

00:46:43: Und da hat man eben gemerkt, er ist das ist sein Wunsch.

00:46:46: Das ist einfach das was er wollte und mir ist das unheimlich wichtig.

00:46:49: ich würde mich auch als eher liberal einstufen und ich respektiere einfach wenn jemand eine Meinung hat und auch ein Recht hat diese Meinung zu haben und dann ist es gar nicht an mir jetzt drüber.

00:47:00: so denke ich bin eher so rational analytisch gestrickt dass bei mir die Emotionen da gar nicht so hoch kam.

00:47:05: also warum weiß ich nicht genau vielleicht verdrängig da auch etwas?

00:47:08: Wobei ich auch einen Coach habe, eine Therapeutin.

00:47:11: Die ich in solchen Situationen anrufe.

00:47:12: Habe ich auch gemacht und hab mit ihr darüber gesprochen.

00:47:14: Hab mir das alles erklärt.

00:47:15: Hab auch sie gebeten immer zu gucken ob bei mir alles in Ordnung ist.

00:47:18: Ich könnte mir schon vorstellen dass sich ein bisschen was verdrängen aber ich hatte diese emotionalen Reaktionen nicht.

00:47:23: also von daher war es bei mir wie gesagt ich war auch als der Tag kam.

00:47:27: ich war froh dass mein Vater Erlösung sozusagen gefunden hat weil ich wusste er will einfach nicht mehr.

00:47:33: Uns wird oft vorgeworfen in der Sterbehilfe, dass wir Angehörige außen vorlassen.

00:47:37: Das ist immer so ein zentraler Kritikpunkt und mich würde mal interessieren wie habt ihr euch als Familie gefühlt am Tag der Freitodbegleitung?

00:47:48: Und da kannst du wirklich schonungslos ehrlich sein im Hinblick auf das Team vor Ort.

00:47:52: also so ein Team besteht ja aus dem Arzt und einem freitod Begleiter oder Ärzte und einer freitode Begleitterin.

00:47:57: Punkt Nummer zwei, wie ging es euch damit als dann so dieser Prozessablauf in Gang gesetzt wurde?

00:48:05: Der bei einem ärztlich assistierten Suizid standardmäßig in gang gesetzt wird.

00:48:08: Also der Freitodbegleiter ruft dann die Kriminalpolizei kommt ins Zivil lässt sich die Unterlagen geben macht da vor Ort eine Leichenschau befragt vielleicht die Angehörigen nochmal ganz kurz und Dann kann eben auch schon der Bestatter anrücken.

00:48:21: kannst du vielleicht einfach mal einen Blick in die Seelenwelt der Familie geben?

00:48:24: ja

00:48:25: Also es war bei uns genauso wie du beschrieben hast und ich fand das sehr angenehm.

00:48:29: Wir hatten die gleiche Ärztin, das war natürlich für meine Mutter dann auch ein gewisser Vorteil weil man sich eben schon kannte.

00:48:34: da war schon ein gewisses Vertrauensverhältnis... Das war

00:48:35: ja nach der Begleitung von Papa, ne?

00:48:37: Das gleiche Ärzte von Linus dann eben auch die Mama begleitet in ein paar Monate später.

00:48:41: aber wenn wir noch mal zur ersten Freitagbegleitung schauen Wie war so die Stimmung in der Familie?

00:48:45: Wie habt ihr euch aufgehoben gefühlt und hättet ihr überhaupt jemanden gewollt von außen der jetzt eine Art seelsorgerische Betreuung dort übernimmt?

00:48:53: oder ist es vielleicht nicht sogar angenehmer erst mal für sich sein zu dürfen und sich selber zu sortieren.

00:49:01: Ich persönlich finde es besser, sich selber erstmal zu sortierend und eben wenn das notwendig ist vielleicht zu fragen, das haben die beiden ja auch angeboten.

00:49:09: aber ich fand sie waren der Situation angepasst zurückhaltend.

00:49:13: also Sie haben sich schon nach uns gerichtet, fand ich und ich fand die Unterstützung super!

00:49:17: Also ich fand sehr, sehr angenehm nicht aufdringlich, sehr einfühlsam.

00:49:21: Und auch als dann eben das mit der Polizei passiert ist, also die Polizei gerufen worden ist.

00:49:25: Wir saßen alle zusammen sozusagen, wir hatten bei meinem Vater war es so dass erst zwei Streifenpolizisten kamen weil die Kriminalpolizei so schnell nicht kommen konnte.

00:49:33: Die waren aber auch super und die haben sich das... die sind erstmal sowas konfrontiert worden, waren sehr interessiert.

00:49:39: Das machten sowohl die Ärztin als auch die Begleitung.

00:49:42: Die haben das super in Gespräch verwickelt, ich saß da auch mit am Tisch.

00:49:46: Meine Mutter war oben an meinem Vater und wollte noch ein bisschen bei ihm sitzen bleiben.

00:49:50: Wir haben uns dann halt darüber unterhalten.

00:49:51: Ich fand es sehr angenehm also nicht aufregend oder hektisch oder belastend.

00:50:01: Seelsäugerschilfe gebraucht hätte.

00:50:03: Und das haben sie mir auch beide angeboten, auch später noch dass man nochmal anrufen kann und so weiter.

00:50:07: dann hätte ich die auch bekommen.

00:50:08: also für mich war es perfekt.

00:50:11: Die Mama da war ja zu dem Zeitpunkt aber noch nicht klar, dass die auch Sterbhilfe in Anspruch nehmen wird.

00:50:16: oder war das zu dem zeitpunkt schon.

00:50:17: Nicht

00:50:17: konkret, nicht konkret.

00:50:19: Also weil

00:50:19: es ich erinnere mich nämlich also ich erinnere mich an selten Anfälle.

00:50:22: Aber natürlich im Zuge des Podcasts habe ich natürlich nochmal so ein bisschen was Revue passieren lassen innerlich und Ich weiß dass zum Zeitpunkt als sein Papa ging Eben noch nicht klar war dass die mama auch gehen wollen würde.

00:50:35: aber Irgendwas muss ja dann passiert sein.

00:50:37: in ihr war es dann so, dass sie euch beim Abendessen einfach angesprochen hat gesagt.

00:50:41: So Junior jetzt möchte ich auch oder War das eine Entwicklung die ihr angesprochen habt?

00:50:46: Oder wer kam dann auf die Idee?

00:50:48: Ne, meine Mutter hat es angesprochen.

00:50:49: Und sie hatte relativ dicht nach dem Tod meines Vaters ist er so hin und her geschwankt.

00:50:53: Also ich glaube das war ... da war sie eben sehr durcheinander.

00:50:55: Da hat sie knapp eine Woche später gesagt, ruft ihr jetzt an!

00:50:59: Ich will das jetzt auch.

00:51:00: Einen Tag später hat sie gesagt ne lasse es bleiben, ich will doch noch irgendwie.

00:51:03: Das ging wirklich zu drei, vier mal hin- und her... also ich ruf da gern wieder an aber dann muss sich das Gefühl haben du willst das wirklich?

00:51:10: Voraussetzung ist ja eben dauerhafter Sterbewunsch.

00:51:13: Ich habe es nicht gehabt, deswegen habe ich auch gesagt das so geht's nicht.

00:51:17: und dann wie schon erzählt habt ihr nach Weihnachten als mein Bruder wieder weg war, da war bei ihr ein bisschen die Luft raus und da hat sie das dann auch nochmal gesagt.

00:51:24: Das wirkte für mich in dem Augenblick schon in Anführungszeichen glaubhaft.

00:51:28: aber ganz ehrlich zu sein.

00:51:29: Ich hab gesagt ich kontaktiere Linus, aber erst mal drei Wochen gar nichts gemacht weil ich eben abwarten wollte.

00:51:34: Ich wollte jetzt nicht schon wieder da in München, das ganze hin und her.

00:51:36: Ja.

00:51:37: Und nachdem ich dann aber gemerkt habe sie ... ich hab's ja mindestens einmal die Woche gesehen, hab's dann auch immer so versteckt mal angesprochen wie sieht es denn jetzt aus bis zu noch?

00:51:44: Wie gehts dir?

00:51:44: und so... und sie war immer konsistent innerhalb dieser drei vier Wochen dass gesagt hat nee sie will dabei bleiben und dann habe ich euch eben kontaktiert und sie ist dann auch nicht mehr abgerückt.

00:51:52: Das hat mir eben auch, sagen wir die Zuversicht oder das Gefühl gegeben, Aus dieser ersten, vielleicht auch depressiven Phase nachdem mein Vater gegangen ist und alles ziemlich durcheinander war.

00:52:02: Da hätte man sicherlich nicht machen sollen aber dann eben war sie doch sehr beständig in ihrem Wunsch gehen zu wollen.

00:52:08: Habt ihr als Kinder – wir kommen gleich zum Ende – habt ihr im Hinblick auf den bevorstehenden zweiten ärztlich assistierten Suizid?

00:52:18: Man muss das ja so sagen, oftmals gehen Paare in dem Alter gemeinsam.

00:52:22: Das heißt die liegen dann nebeneinander im Bett oder im Sommer ist es an der Garten auf der Gatenliege.

00:52:26: Wir haben auch schon beide mit Badehose und Baderanzug am Pool begleitet hier im süddeutschen Raum.

00:52:32: Im Sommer ist sehr heiß da kann man sowas durchaus mal machen.

00:52:36: aber bei denen war's jetzt speziell weil sie halt zeitversetzt gegangen sind.

00:52:42: Und habt ihr denn mit Blick auf diesen bevorstehenden zweiten ärztlich assistierten Suizid?

00:52:48: schon so eine gewisse gedankliche Routine gehabt, dass ihr wusstet wir wissen ja genau was passiert oder war das eher so?

00:52:54: oh Gott jetzt wird emotional wieder alles schön aufgewühlt am Teichboden.

00:52:58: Das ist grausam!

00:52:59: Was hat überwogen?

00:53:01: Das erste.

00:53:01: Für mich war das eher so, wir wissen schon wie es geht.

00:53:04: Ja ihr kanntet ja auch die Ärztin und ich glaube die Freitod-Begleiterin war auch die gleiche?

00:53:07: Ne, das

00:53:07: waren andere.

00:53:08: Es war eine andere Freitung

00:53:09: von uns.

00:53:09: Also beide.

00:53:11: Ne, dass waren andere aber die Ärzte war die Gleiche und für mich war's... Ich wusste ja wie es abläuft.

00:53:15: Und das war eher dieses Erste.

00:53:16: Dass das eine gewisse Routine ist.

00:53:19: Aber eben auch das Wissen wird funktionieren.

00:53:21: also wenn meine Mutter sich nicht nochmal umentscheidet Da muss ich ganz offen sein, ein gewisses Restrisiko weil sie da einfach sehr schwankend war.

00:53:29: Habe ich schon.

00:53:29: aber je länger das dann gedauert hat, desto sicher war ich mir auch... Sie will das einfach wirklich was natürlich für mich als Angehörigen auch schon gut ist.

00:53:35: Weil wenn man selber Zweifel hätte, ist das wirklich ihr Wunsch?

00:53:39: Das wäre natürlich nicht so gut!

00:53:41: Aber nachdem es dann eben sehr konsistent dabei geblieben ist, war das eher Routine.

00:53:45: Also das war weniger jetzt irgendwie Oh Gott, oh Gott!

00:53:47: Jetzt muss ich schon wieder... Sondern eher Ich weiß wie's läuft Das wird funktionieren Die machen das super Und dann eher so ein Gefühl der Sicherheitssache oder der Versicherung und dass es funktionieren wird.

00:53:59: Aber die gleichen Polizeibeamten waren es nicht?

00:54:01: Nee, das waren andere aber auch super nette.

00:54:04: Also da kamen die Kriminalpolizei dann direkt Ja Und beim zweiten Mal, das war glaube ich sogar ein Hauptkommissar Der hatte schon ein bisschen Erfahrung auch und hat sich super mit uns unterhalten.

00:54:15: Wir saßen wirklich da am Essstisch, haben eben auf die Kollegen gewartet, die Leichenschaft noch gemacht hatten auf dem Bestatter, weil wir dürfen ja auch erst gehen in der Bestatter kommen und haben uns super unterhalten einfach.

00:54:25: Generell über dieses Thema.

00:54:26: genau was du für ihn schon angedeutet hast, der hatte gesagt er kommt lieber... Genau das was du gesagt hast, er kommt Hier in der Wohnung, wo er weiß es ist ein begleiteter Suizid passiert.

00:54:36: Das hat mir dann so richtig zu denken gegeben als zum ICE zu gehen und das ist ja auch furchtbar wenn so einen Amapolizist dahin gehen muss und man möchte gar nicht vorstellen was da noch übrig bleibt.

00:54:45: Und er sagt, dass für ihn viel angenehmer und ich fand die waren super.

00:54:49: also die haben ganz toll gemacht.

00:54:52: Wie hat sich dein Blick auf das Thema selbstbestimmtes Sterben seit dem ärztlich assistierten Suizide einer Eltern?

00:55:01: entwickelt.

00:55:02: Was hast du heute für eine Meinung von der Thematik?

00:55:05: Eigentlich die Kleine, die ich vorher hatte.

00:55:06: Ich finde es gut dass es das gibt!

00:55:09: Mir graut so ein bisschen davor... Ihr habt das ja auch in euren letzten Podcasts angesprochen, dass jetzt dieses Jahr möglicherweise was passiert.

00:55:15: Das war ja glaube ich der erste Versuch, der in die Hose gegangen ist mit einem neuen

00:55:19: Gesetzentwurf.

00:55:19: Wir

00:55:19: reden vom Gesetzentwurf.

00:55:20: Genau von dem Gesetzentwurf und ich habe damals die Gesetzentwürfe auch durchgelesen usw.. Und ich muss sagen mir graut da vor, Einschränkungen gibt.

00:55:31: Aus Sicht des Angehörigen jetzt sozusagen?

00:55:33: Ja, ganz genau!

00:55:36: Für die Menschen, die sterben wollen und auch für die Angehöre, weil ich meine... Ich müsste lügen, ganz ehrlich.

00:55:41: Also meine Mutter sich jetzt entschieden hat das zu machen.

00:55:44: Ich habe auch eine gewisse Erleichterung verspürt, denn ich wusste wenn sie so wie ihr weiterer Weg für mich perspektivisch aus sah, wäre das weder für Sie noch für mich schön geworden Denn da war keine Perspektive mehr.

00:55:55: Sie lebte allein in diesem Reihenhaus, sie konnte es gerade finanziell noch leisten.

00:56:00: aber wenn sie dann in eine Heimhätte gehen müssten das wäre irgendwann gekommen aus was für Gründen immer.

00:56:04: Sie hätte sich mit Händen und Füßen gewährt.

00:56:06: meine Tante ist an dem Enz gestorben zum Beispiel Meine Cousine hat das damals mitgemacht und das war glaube ich auch dass meiner Mutter große Sorgen bereitet hat zwar ihre Schwester Das wäre einfach nicht schön geworden.

00:56:15: Und da bin ich jetzt ganz offen, gerade neulich wieder so ein Beitrag gelesen im Internet von der Frau.

00:56:20: Interessanterweise auch noch deren Eltern in Wiesbaden lebten die sich fünf Jahre lang um ihre beiden Eltern gekümmert hat.

00:56:25: Die hat ihr eigenes Leben fast ruiniert damit ja also hat ihren Mann nicht mehr gesehen und so weiter und ich persönlich eben auch als Angehöriger ich sehe da keinen Sinn drin.

00:56:35: Also das soll jeder so machen wie er möchte aber mir ich denke dann So über meinen beiden Eltern, die waren am Lebensende.

00:56:42: Die waren beide zufrieden mit ihrem Leben.

00:56:44: Die haben ein ordentliches Alter erreicht.

00:56:47: Das war für mich auch nachvollziehbar keine lebenswerte Perspektive mehr.

00:56:50: Also es war nichts was ihnen noch Freude gemacht hat.

00:56:53: Meine Mutter hat zum Schluss noch das Spazierengehen-Freude gemacht und das hat aber die letzten zwei drei Monate dann auch aufgehört.

00:56:58: Sie ist zweimal voll aus Gesicht gefallen, ist gestolpert, muss wohl wie in Trance gelaufen sein, zweimal Vollausgesicht gefallen, grün und blau... Zum Schluss auch gesagt, dass macht ihr auch keinen Spaß mehr!

00:57:07: Da war einfach nichts mehr.

00:57:09: Und dann frage ich mich, warum soll man sich quälen?

00:57:10: Auch eben als Angehörige.

00:57:11: Von daher, also ich würde mir wünschen so im Hinblick auf assistierten Suizid, dass man diese Flexibilität, die man im Augenblick hat und das gibt ja Regeln.

00:57:18: Also es ist ja nicht so, dass wir in einem rechtsfreien Raum werden.

00:57:20: Absolut,

00:57:21: ja!

00:57:21: Es gibt

00:57:21: ja regeln und ich finde auch wie ihr das macht, gibt mir das als An gehörige eben auch die Sicherheit, Dass da eben nicht jetzt ein kommerzielles Modell draus gemacht wird oder dass man das leichtfertig macht, sondern dass das ordentlich geprüft wird.

00:57:35: Dass es im Rahmen der Gesetze ist und immer eben auch dieses Gut hochgehalten wird, dass ein Mensch laut Verfassungsgericht das Recht hat über sein Lebensende zu entscheiden.

00:57:43: Da glaube ich hundertprozentig dran.

00:57:45: Und deswegen würde ich mir wünschen, es bleibt so.

00:57:48: Also ich hoffe nicht, dass die Gesetzgebung dahingeht, dass das mehr eingeschränkt wird und Menschen's dann deutlich schwerer haben werden?

00:57:55: Ich muss sagen, ich bin ziemlich fasziniert.

00:57:59: Weil ich nicht so viel erwartet hatte heute von der Folge.

00:58:02: Wir hatten in den letzten Monaten ... Bevor wir angefangen haben unseren Podcast aufgrund unseres Umzugs sehr stichmütterlich zu behandeln, hatten wir viele prominente Gäste.

00:58:13: Habe ich gesehen.

00:58:14: Wir waren im Bundestag, wir waren in München bei Alena Böckes mit Serra Zumunschu noch im alten Büro gesessen.

00:58:22: Auch ein feiner Kerl muss man sagen, also wirklich ein unglaublich toller Mensch.

00:58:28: Aber ich muss sagen die Folge heute ging mir am nächsten tatsächlich weil ich mich selber auch wieder gesehen und wieder gefunden habe.

00:58:34: Ich freue mich sehr dass du den Weg auf dich genommen hast um heute hier bei uns zu sein das du uns hast teilhaben lassen.

00:58:41: Und wenn dem mal wieder so ist, würde ich mich sehr freuen, wenn wir dich wieder einladen dürften.

00:58:47: Sehr gern!

00:58:47: In deiner Eigenschaft als Familienforscher.

00:58:49: Da gibt es mit Sicherheit auch noch jede Menge zu berichten.

00:58:52: Ansonsten freue ich mich, dass du bei uns warst und bedanke mich herzlich für deine offenen und ehrlichen Worte.

00:58:58: Und wünsch dir dann eine gute Heimreise.

00:59:01: Vielen Dank.

00:59:04: Sterbehilfe heißt diskutiert oft verschwiegen.

00:59:08: Wir reden drüber ohne Floskeln oder Filter.

00:59:12: Das ist meine letzte Frage.

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